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Unterbezahlte Überflieger

Im Skispringen verdient sich kaum ein Athlet eine goldene Nase

Die Boomzeiten im Skispringen sind längst vorbei. Auch bei der diesjährigen Vierschanzentournee - eine der bekanntesten Marken des Wintersports - werden die Leistungen der waghalsigen Flieger verhältnismäßig gering entlohnt.

Tennisspielerin Sabine Lisicki konnte sich nach dem Wimbledon-Finale Anfang Juli 2013 mit stolzen 930 000 Euro trösten - wohlgemerkt nach einer klaren Niederlage. Für den Sieger des Neujahrsspringens - in Garmisch-Partenkirchen gewann der Österreicher Thomas Diethart - waren 8000 Euro ausgelobt, nur Peanuts im Verhältnis dazu. Dabei ist die Vierschanzentournee der Skispringer neben dem ebenfalls alljährlich stattfindenden Alpin-Spektakel in Kitzbühel wohl die bekannteste Marke im ganzen Wintersport. Und die mutigen Flieger riskieren für den Erfolg und eine gute Show ihre Gesundheit.

»Das Preisgeld für die Besten ist tatsächlich gering. Es gibt für die ersten 30 jedes Weltcups Geld, das sollte man künftig auf die ersten 15 beschränken und das Geld für die anderen entsprechend anheben«, sagt Horst Hüttel, sportlicher Leiter des deutschen Teams. Auch der Internationale Skiverband FIS hat das Problem erkannt: Ab kommenden Winter wird das Preisgeld für die ersten drei verdoppelt. Zumindest 16 000 Euro werden es also für den Sieger des Neujahrsspringens 2015 sein.

Immer noch wenig, wenn man die Bedeutung des Neujahrsspringens als wichtigstes alljährliches Skispringen der Welt betrachtet. Im Gegensatz zum weltweit vermarktbaren Tennis sind die Märkte für das Skispringen jedoch begrenzt. Ein großes Geschäft sind die Springen in Oberstdorf (29. Dezember), Garmisch-Partenkirchen (1. Januar), Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) trotzdem. Der Deutsche Skiverband (DSV) und der Österreichische Skiverband (ÖSV) kassieren jeweils eine Millionensumme vom Vermarkter Infront, mit dem der Vertrag gerade bis 2018 verlängert wurde.

»Wir brauchen das Geld dringend. Österreich und Polen investieren im Skispringen viel, da müssen wir mithalten«, sagt Hüttel. Infront wiederum refinanziert sich durch bekannte Sponsoren: Ein Bekleidungsunternehmen ist seit dem Vorjahr und bis 2014 Titelsponsor. Dazu kommen vier Hauptsponsoren. Vor allem die Fernsehpräsenz lockt die Geldgeber zu den Fliegern: Im Vorwinter schauten im Schnitt 5,59 Millionen bei ZDF und ARD in Deutschland zu, in Österreich waren es 998 000. Europaweit kamen dazu insgesamt 31,9 Millionen Zuschauer bei Eurosport.

Geld in die Kassen bringen auch die weit über 100 000 Zuschauer, die sich das wichtigste alljährliche Skisprung-Event live an den Schanzen der vier Traditionsorte anschauen. Dort werden auch die vier örtlichen Skiklubs zu Profiteuren - sie holen mit dem jährlichen Großereignis in der Regel die Kosten für die Bezahlung der Nachwuchsarbeit und ihrer hauptamtlichen Trainer herein.

Für die großen Helden der Vierschanzentournee ist in diesem Jahr erstmals in der Geschichte eine Prämie von 2000 Euro für den Sieger des Qualifikationsdurchgangs in jedem Ort ausgelobt. »Mit der Belohnung des Quali-Siegers möchten wir den Ausscheidungswettkampf insgesamt attraktiver machen und den Zuschauern damit ein noch größeres Spektakel bieten. Das wertet das Gesamtpaket Vierschanzentournee deutlich auf«, sagt Tourneepräsident Alfons Schranz dazu. Das ist allerdings nur eine kleine Verbesserung für die insgesamt im Verhältnis zum Showfaktor und Risiko unterbezahlten Flieger. Den bei der 60. Jubiläumstournee ausgelobten Jackpot von einer Million Schweizer Franken für einen Grand-Slam-Sieg gibt es bei der 62. Ausgabe nicht mehr. Insgesamt sind diesmal gut 255 000 Euro Preisgeld im Topf. 8000 Euro gibt es pro Sieg, dazu kommen für die deutschen Springer bei den beiden Heimspringen noch Prämien für einen Platz unter den besten Sechs plus Bonuszahlungen für Spitzenplätze vom Kopf- und Skisponsor. Der Gesamtsieg bei der Tournee bringt neben einem goldenen Adler ganze 16 000 Euro. Insgesamt kann ein Springer - beim Sieg in allen vier Springen und allen vier Qualifikationsdurchgängen im besten Fall 56 000 Euro absahnen.

Das war vor einem guten Jahrzehnt in den Boomzeiten des Skispringens mit den deutschen Seriensiegern Martin Schmitt und Sven Hannawald noch anders. Hannawald kassierte für seinen historischen Vierfachsieg vor zwölf Jahren insgesamt etwa 330 000 Euro an Preisgeldern und Prämien vom Deutschen Skiverband, die es heute in dieser Form nicht mehr gibt. Noch mehr brachten ihm über die Jahre Imagegewinn und Werbeeinahmen ein. Zumindest dieser in der Geschichte des Skispringens einmalige Triumph war also insgesamt annähernd so viel wert wie eine Finalniederlage von Sabine Lisicki in Wimbledon.

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