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Das Geheimnis der Fischhaut

Im Schutzmechanismus der Wassertiere vor Parasiten sehen dänische Forscher einen Schlüssel zum Verständnis der Immunreaktionen auch bei Menschen

  • Von Andreas Knudsen
  • Lesedauer: 2 Min.

Allergien und Immunkrankheiten scheinen Hand in Hand zu gehen mit wachsendem Wohlstand und verbesserten Hygienestandards. Und so geht eine Theorie zur Erklärung von Allergien davon aus, dass das menschliche Immunsystem inzwischen im Alltag zu wenigen Prüfungen ausgesetzt ist und deshalb gelegentlich durchdreht. Ein Amok laufendes Immunsystem wird auch als Auslöser von Rheuma, Multipler Sklerose und anderen Erkrankungen vermutet. Die Wirklichkeit dürfte komplizierter sein. Schließlich unterschied sich die Welt unserer Vorfahren auch in anderen Punkten von heute: Es gab keinen Überfluss an Nahrung, wir waren auch kaum synthetischen Substanzen ausgesetzt.

Bei Untersuchungen zur Parasitenabwehr bei Fischen in Zuchtanlagen fand eine Forschergruppe von der Universität Kopenhagen kürzlich in der Fischhaut ähnliche Reaktionsmuster wie beim Menschen. »Das bedeutet, dass in über 450 Millionen Jahre Evolutionsgeschichte die gleichen Elemente der Krankheitsbekämpfung bewahrt wurden«, erläuterte Kurt Buchmann. In diesem Fall sind es die Reaktionen der sogenannten T-Zellen, die einen Teil des Immunsystems ausmachen. Diese Zellen lösen bei einem Parasitenangriff zwei verschiedene Reaktionen aus. Die Typ-1-Reaktion ist sehr kräftig und wird von Viren und Bakterien verursacht, während die Typ-2-Reaktion gedämpfter und zielgerichteter ist. Bei dieser geht es um die Bekämpfung von Parasiten. Sie belastet den Körper weitaus weniger als die Typ-1-Reaktion. Buchmanns Team konnte an Regenbogenforellen zeigen, dass die Typ-2-Reaktion zwar angeboren ist, aber ein Leben lang trainiert werden muss, um Überreaktionen zu vermeiden.

Milan Thamsborg, Veterinärparasitologe an der Uni Kopenhagen, forscht parallel am Krankheitsverlauf von Schweinen, die mit Schweinepeitschenwurm infiziert wurden. Bei einem geringen Wurmbefall zeigte sich, dass die Krankheit milder verlief. Dieser parasitische Wurm tritt häufig in tropischen und subtropischen Gegenden auf. Wirksame Abwehrmaßnahmen sind daher von großer Bedeutung. Es ist auch denkbar, dass mit der Klimaerwärmung der Wurm weiter nach Norden ziehen könnte. Beide Wissenschaftler wollen nun gemeinsam an Zebrafischen untersuchen, wie das tierische Immunsystem mit dem Parasitenbefall fertig wird. Der Vorteil der Forschung an Zebrafischen: Ihr Lebenszyklus ist wesentlich kürzer als der der Schweine, und wesentlich billiger in der Haltung sind sie überdies. Die Fische sollen mit dem Parasiten Ichthyobodo necator, der die tödlich verlaufende Costia-Fischkrankheit auslösen kann, infiziert werden, um Abwehrreaktionen zu testen und ihre Typ-2-Reaktion zu trainieren.

Die Ergebnisse könnten auch für Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen interessant werden. Rund eine halbe Million Dänen leiden an derartigen Krankheiten und die Infizierung der Zebrafische mit Parasiten, die ähnliche Symptome auslösen wie bei Menschen, könnte ein erster Schritt auf dem langen Weg sein, ihre Lebensqualität zu verbessern.

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