Schneller, höher, weiter

Jürgen Amendt über PISA-Tests im Fach Sport

Viele Jahre lang sorgte der Begriff PISA bei Bildungspolitikern, Vertreter von Bildungsverbänden und manchen Lehrern und Eltern für Erregungszustände. Je nach Standpunkt und Betroffenheit waren die Reaktionen von Glücksgefühlen oder von Niedergeschlagenheit geprägt. Mit Verweis auf die PISA-Studien ließ sich so ziemlich alles im Bildungsbereich kritisieren bzw. rechtfertigen. Die Verfechter des gegliederten Schulsystems sahen im guten Abschneiden bayerischer Schüler bei den nationalen PISA-Runden den Beweis für die Überlegenheit ihrer auf frühe Segregation setzende Bildungsphilosophie erbracht, Vertreter der GEW und linke Bildungspolitiker lieferte das PISA-Musterland Finnland Munition gegen genau diese Überzeugung. »Skandinavisch lernen« hieß: Gemeinschaftsschule und das Abschaffen von Noten.

PISA war aber auch die Blaupause für eine neue Bildungsarchitektur. Die Gymnasialzeit wurde auf acht Jahre verkürzt (G8), die Hauptschule in vielen Bundesländern abgeschafft, Sprachstandtest in den Kitas eingeführt, Halbtags- in Ganztagsschulen umgewandelt.

Im Laufe nutzte sich die Debatte ab. Als vor wenigen Wochen die jüngste PISA-Studie vorgestellt wurde, war das Interesse der Öffentlichkeit vergleichsweise gering. Was nicht heißen soll, dass es nicht noch einige Nachzügler gibt, die meinen, den früheren PISA-Hype für sich nutzen zu können. Kurz vor Weihnachten schaffte es Clemens Prokop, seines Zeichens Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV), mit der Forderung nach einem PISA-Test im Fach Sport zu einer dpa-Meldung. Was auf den ersten Blick skurril klingt, ist so ungewöhnlich nicht. Schließlich geht es zumindest den deutschen Kultusministern bei PISA weniger um das schulische Lernen, sondern mehr um den Tabellenplatz ihres Bundeslandes im PISA-Ranking. Ganz nach dem Motto: »Schneller, höher, weiter«.

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