Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Männer, die die Welt erklären

Ruediger Dahlke kann mit »Mythos Erotik« bei Frauen auch Widerspruch ernten

  • Von Natalya Arensberg
  • Lesedauer: 2 Min.

Sex sells» - das wissen wir nicht erst seit «Shades of Grey». Kein Zufall also, dass das jüngste Werk des vielschreibenden Psychotherapeuten Ruediger Dahlke den Titel «Mythos Erotik» trägt.

Um Erotik geht es ihm aber nur in zweiter Linie. Sein Hauptanliegen ist die durch die Frauen verkorkste Männlichkeit. Die neuen Frauen wollen starke Männer, die gleichzeitig schwach sind, und damit wollen sie das Unmögliche, denn Männer können diesen Widerspruch nicht lösen. Sagt Dahlke. Erstaunlicherweise gelingt dem «schwachen Geschlecht», woran das starke scheitert.

Mit einer gewissen Larmoyanz - und Redundanz - verweist Dahlke auf die «sexuelle Revolution von 1968, die … im Kern etwas sehr Fortschrittliches war», heute jedoch ihre Schattenseiten zeige. Diese sind schattiger noch, wenn es um die Frauenbewegung geht.

Zwar konzediert er: «Die Emanzipation der Frau war zweifellos segensreich …», doch fordert er im gleichen Satz, sie sollte sich heute «neuer brennender Probleme annehmen, statt einfach immer … Männer tiefer in die Defensive zu treiben, wo auch Frauen nichts mehr mit ihnen anfangen können». Dass die Überforderung der Männer, beispielsweise durch die Anwesenheit bei der Geburt ihrer Kinder, gruselige Folgen haben kann, belegt Dahlke mit internationalen Erfahrungen, deren Schilderung nicht nur subtil rassistisch ist: «In Indien, aber auch in Ländern wie Ägypten, werden Mädchen und Frauen fast routinemäßig vergewaltigt.»

Da war es doch früher viel schöner, als Eros noch regierte und Dahlke in Poona war - ein Schelm, wer hier an Sekten denkt - «wo wir uns sogar zu mehreren geliebt» haben. «Wir», die wir dort «obendrein alle irgendwie Ausländer und auch verschiedener Hautfarbe waren».

Auf der Zielgeraden seiner Wortsammlung zum «Mythos Erotik» nähert sich Dahlke schließlich entschlossen den «Feuchtgebieten», um auf den letzten Seiten seines Buches seinen latenten Sexismus noch ein Stück weiter zu drehen und eine Geschichte um Drohung, Vergewaltigung, erzwungenen Sex als «schrecklich(e) erotische Fantasie» zu verkaufen. Generational steht Dahlke einer aufgeklärten Bewegung nah. Doch im Vergleich zu ihm bietet die weitaus jüngere Autorin der intellektuell grausam seichten «Shades of Grey» womöglich mehr Einsicht in gesellschaftliche Zustände. Kann es sein, dass die Frauen und Männer von heute ein ganzheitlicheres Verständnis von Erotik haben, als der Therapeut, der die «Lebenskraft» aus dem «Schatten» holen will?

Ruediger Dahlke, Mythos Erotik. Eine Lebenskraft tritt aus dem Schatten. Scorpio Verlag. 320 S., geb., 18,99 €.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln