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Subventionierte Weltreisen

Die Deutsche Fußball Liga fördert Trainingslager von Bundesligisten, die in die richtigen Länder fahren

  • Von Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
Wie immer suchen die Bundesligisten am Jahresanfang das Weite. Die Trainingslager dienen nicht nur dem Formaufbau der Spieler. Einige Klubs reisen im Namen des deutschen Fußballs - und werden dafür finanziell unterstützt.

2014 ist für die Deutsche Fußball Liga (DFL) ein ganz wichtiges Jahr. Der Verband handelt die neuen Verträge zur Auslandsvermarktung der Bundesliga aus. Die bestehenden laufen noch bis 2015 und bringen 70 Millionen Euro pro Jahr. Christian Seifert will die Erlöse verdoppeln. »Wir streben definitiv den Korridor von 100 bis 150 Millionen Euro jährlich an«, sagte der DFL-Geschäftsführer.

Die Verhandlungsposition ist so gut wie lange nicht mehr. Das letztjährige Finale der Champions League bestritten mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund zwei deutsche Klubs. Erstmals haben es in dieser Saison gleich vier Bundesligisten in das Achtelfinale der Königsklasse geschafft. Und zumindest die Münchner haben dort wieder beste Erfolgsaussichten. Nicht nur sportlich gibt die Bundesliga derzeit den Ton an. Im europäischen Vergleich der Zuschauerzahlen ist sie mit einem Schnitt von 43 173 in der Hinrunde klar vorn. Weltweit kann nur die National Football League (NFL) in den USA bessere Zahlen vorweisen.

Umso mehr ärgert es Seifert, dass die Bundesliga finanziell nur die vierte Geige spielt - hinter England, Spanien und Italien. Die Premier League beispielsweise generiert mit der Auslandsvermarktung 560 Millionen Euro. Dafür unternehmen Vereine wie Manchester United, AC Mailand, Real Madrid oder der FC Barcelona alljährlich strapaziöse Werbereisen, und das teilweise seit 15 Jahren. »Aus Deutschland ist nur der FC Bayern unter den zehn bekanntesten Vereinen der Welt«, konstatiert Seifert und kritisiert Vereine dafür, dass sie »ihre Sommertrainingslager in Österreich abhalten«.

Viele Bundesligisten haben bislang mehr auf eine gezielte sportliche Vorbereitung als auf Imagegewinn in Übersee gesetzt. Dass Seifert und die DFL aber so vehement darauf drängen, hat natürlich einen Grund. Die Vermarktung des Fußballs in Deutschland ist nahezu ausgereizt. »Die Auslandsrechte sind definitiv eines der größten Wachstumsfelder«, räumt Seifert ein.

Seit 2007 beschäftigt sich die DFL intensiver mit diesem Thema und hat vereinzelte Projekte mit Bundesligisten durchgeführt. Seit dem vergangenen Jahr wurden die Bemühungen nochmals deutlich erhöht. Die DFL erachtet elf Kernmärkte in folgender Reihenfolge als besonders lohnenswert: China, Russland, Nordamerika, Polen, Indonesien, Japan, Türkei, Indien, Thailand, Brasilien und Südafrika. Jährlich vergibt der Verband nun ingesamt 1,5 Millionen Euro an Bundesligisten, die dort Trainingslager und Freundschaftsspiele abhalten, maximal 300 000 Euro pro Verein. Wie viel ein Klub tatsächlich bekommt, wird anhand der sogenannten »Ratcard« ermittelt. Diese orientiert sich einerseits am Ranking des Vereins in der Fünfjahreswertung der UEFA und andererseits an der Wertigkeit des jeweiligen Marktes.

Seifert habe zuletzt festgestellt, dass bei den Klubs langsam ein Umdenken einsetze. Heute macht sich der Hamburger SV auf den Weg nach Indonesien, um am 6. Januar in Malang gegen den Erstligisten Arema Cronus zu spielen. Am Tag danach geht es ins zehntägige Trainingslager nach Abu Dhabi. Dafür bekommt der HSV von der DFL 250 000 Euro. Den gleichen Betrag erhält der VfB Stuttgart für den zehntägigen Aufenthalt in Kapstadt. Auch die Wolfsburger gehen auf verbandssubventionierte Werbeweltreise. Dem ersten Trainingslager in Abu Dhabi folgt ein zweites, viertägiges in China mit zwei Testspielen gegen Jiangsu Sainty und Shanghai Shenxin.

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