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Julie, Milena und die Ängste

Franz Kafka zwischen 1918 und 1920: Ein neuer Band mit seinen Briefen

  • Von Klaus Bellin
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Eine Weile dachte Franz Kafka tatsächlich an Heirat. Er hatte Anfang 1919 in einem Sanatorium Julie Wohryzek kennengelernt, eine junge Pragerin, Tochter eines Schusters und jüdischen Gemeindedieners, anmutig und so lungenkrank wie er, er fühlte sich nach der zweiten Trennung von Felice Bauer frei, und er fand, dass die Voraussetzungen diesmal so günstig waren wie nie. Er drängte, sprach sogar von Kindern und einer »Liebesheirat«, Julie wehrte erschreckt erst einmal ab, gab schließlich jedoch nach. Es folgte eine heimliche Verlobung, die mühsame, am Ende erfolglose Suche nach einer Wohnung und die abrupte Aufgabe aller Pläne. Plötzlich war die Hochzeit kein Thema mehr. Die alten Skrupel, beiseitegeschoben, aber nie besiegt, behielten die Oberhand, die Ängste vor einer festen Bindung, die Widerstände, »die gewissermaßen auf der Lauer lagen«.

Und diese Widerstände, erklärte Kafka am 24. November 1919, überstiegen »bei weitem mein...


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