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Ins »Bildungsexil« nach Belgien

Frankreich hat enormen Nachholbedarf, was den Umgang mit Autismus betrifft

  • Von Andrea Klingsieck
  • Lesedauer: 2 Min.
Viele autistische Kinder aus Frankreich gehen im Nachbarland zur Schule, denn dort werden sie umfassend gefördert.

In Frankreich kommen jedes Jahr zwischen 5000 und 8000 autistische Kinder zur Welt. Der Hilfsverband »Collectif Autisme« schätzt, dass nur etwa 20 Prozent dieser Kinder im eigenen Land zur Schule gehen. Viele französische Familien sehen sich gezwungen, ihre Kinder in Schulen im Nachbarland Belgien einzuschreiben, wo die Betreuung von Behinderten und insbesondere von Autisten seit langem sehr viel besser entwickelt ist.

Im Vergleich zu zahlreichen anderen Ländern Europas hat Frankreich einen enormen Nachholbedarf, was den Umgang mit Autismus und die Umsetzung geeigneter Behandlungsmethoden betrifft. In Frankreich wird Autismus oft immer noch als »Psychose« angesehen, die in erster Linie mit Hilfe von Psychoanalyse der Eltern behandelt wird. Die belgischen Förderschulen hingegen wenden verschiedene verhaltenstherapeutische Methoden an, die in Frankreich noch immer verboten sind: Teacch (Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children), ABA (Angewandte Verhaltensanalyse) oder das Bildaustauschkommunikationssystem PECS. In den belgischen Vorschulklassen, die diese Methoden anwenden, werden Kinder mit und ohne autistisches Syndrom zusammen unterrichtet. Die Fortschritte, die die autistischen Kinder machen, sind zum Teil spektakulär.

Etwa 5000 französische Kinder wählen jährlich das »Bildungsexil« in Belgien, sei es in integrierenden Regelschulen oder in speziellen Förder- oder Sonderschulen. Etwa die Hälfte von ihnen wohnt in Nordfrankreich. Manche Familien sind dafür extra in die Nähe der belgischen Grenze gezogen. Die Kosten für den täglichen grenzüberschreitenden Transport übernehmen zum Teil die französische Krankenkasse und die Kommunen, ebenso wie die Aufwendungen für eine eventuell notwendige Unterbringung. Ob dies Frankreich billiger kommt, als Mittel für eine bessere Betreuung im eigenen Land zur Verfügung zu stellen, bleibt allerdings fraglich.

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