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Langes Warten auf Lärmschutz

Viele Berliner leiden unter dem Krach von Güterzügen / Besserung ist nicht in Sicht

Ein Programm der Bundesregierung will den Lärmschutz entlang von Bahnstrecken verbessern. In Berlin kommt es kaum voran.

Nicht nur Fluglärm belastet viele Berliner, zunehmend rauben auch Güterzüge Anwohnern den Schlaf. Die rollen vor allem nachts über die Gleise. In Pankow engagiert sich die Bürgerinitiative »Berlin Nord-Ost - gesund leben an der Schiene« (BINO) gegen Lärmbelastung entlang der Stettiner Bahn, über die besonders laute Kesselwagen aus und in Richtung Erdölraffinerie Schwedt fahren.

Besserung ist aber kaum in Sicht, wie aus einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Gelbhaar hervorgeht. Der wollte wissen, ob es möglich ist, Güterzüge vom Berliner Innenring auf den Außenring zu verlagern. Der Senat sieht dazu jedoch »keine Einwirkmöglichkeit« auf die Deutsche Bahn. Diese wiederum teilte mit, sie müsse die Trassen allen Eisenbahnunternehmen diskriminierungsfrei zu Verfügung stellen. Und eine Fahrt über den Innenring nach Spandau sei kürzer und koste statt 169 nur 61 Euro.

Zu Lärmschutzmaßnahmen an Bestandsstrecken ist die Bahn nicht verpflichtet. Allerdings gibt es ein freiwilliges Lärmsanierungsprogramm des Bundes, für das jährlich 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Damit sollen Schallschutzwände und -fenster finanziert werden. In Berlin sind rund 64 Kilometer Bahnstrecke einbezogen. Davon sind Abschnitte in einer Gesamtlänge von 23 Kilometern fertiggestellt, der größte Teil entlang der Stadtbahn.

Die Betroffenen der anderen insgesamt rund 41 Kilometer langen Streckenabschnitte müssen sich noch über Jahre gedulden. So soll der Planungsbeginn für nördlichen Innenring erst in fünf bis zehn Jahren beginnen. Das betrifft Bereiche in Moabit, Wedding, um die Schönhauser Allee, Wichert- und Storkower Straße sowie Jungfernheide. Danach sollen in etwa zehn Jahren die Planungen u.a. für Grunewald, Adlershof, Baumschulenweg, Schöneweide Karlshorst und Köpenick beginnen. Als Letzter käme der nordöstliche Außenring an die Reihe. Anwohner in Malchow, Blankenburg, Buch, Karow, aber auch in Biesdorf und Wuhlheide müssten sich demnach noch mindestens 15 Jahre mit dem Lärm abfinden.

Auch den weiteren Einbau schalldämpfender Schienenabsorber plant die Bahn derzeit nicht. Mit dieser Art Schalldämpfer sind Teile der Stadtbahn, des östlichen Innenrings, der Strecke Berlin - Cottbus und ein Abschnitt in Nikolassee ausgestattet worden.

Immerhin hat sich die Bahn verpflichtet, bis 2020 den Schienenlärm zu halbieren. Dazu hat sie u.a. ein Programm gestartet, ihre Güterwagen mit einer neuen Bremssohle zu versehen. Sie sollen das Geräusch vorbeifahrender Züge um ein Dezibel mindern, was als Halbierung des Lärms empfunden würde, so die Bahn. Bis 2020 sollen 60 000 Waggons umgerüstet werden. Außerdem wurden lärmabhängige Trassenpreise eingeführt.

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