Werbung

»Da steht kein Stein mehr auf dem anderen«

100 Tage nach dem Unglück in der Grube Unterbreizbach

  • Von Stefan Engelbrecht, Unterbreizbach
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Eberhardt Auths tiefe Stimme wird leise und ruhig, sein Blick senkt sich, als er von dem Unglück erzählt. »Das hat uns alle tief getroffen«, sagt der knapp zwei Meter große Bergmann am Montag in Unterbreizbach. Er leitet die Grubenwehr in Schacht II des Kaliwerks in der Thüringer Gemeinde. »Wir haben nur noch reagiert. Was ist der nächste Schritt? Wie kommen wir herunter?« In dem Bergwerk waren drei Bergleute am 1. Oktober in rund 700 Metern Tiefe bei einer explosionsartigen Verpuffung getötet worden.

Wie es zu dem Unfall kam, ist auch 100 Tage danach noch nicht ganz klar. Die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Meiningen, der Kriminalpolizei und des Bergamtes laufen noch, die Ermittler gehen von einem Unglück aus. Die Stelle, wo die Bergleute gestorben waren, konnte im November besichtigt werden. Der Explosionsort in knapp 900 Metern Tiefe ist aber weiterhin wegen der hohen Konzentration an giftigem Gas gesperrt.

»Wir haben dort ein großes Ausmaß an Zerstörungen. Da steht kein Stein mehr auf dem anderen«, sagt Hartmuth Baumert, Produktionsleiter »Unter Tage« der K&S Kali GmbH. Förderbänder seien zerstört worden, die gesamte Infrastruktur. Anfang Dezember sei die Salz-Förderung wieder teilweise aufgenommen worden. Mittlerweile sei man bei rund 70 Prozent angelangt.

Klar ist, dass die Verpuffung außergewöhnlich stark war. Die Bergleute im Alter von 24, 50 und 56 Jahren gehörten zu einer Art Voraustrupp, die das Revier nach einer regulären Sprengung zwischen zwei Schichten auf Beschädigungen untersuchen sollten. Zur Zeit des Unglücks waren sie mehrere Kilometer vom Gasaustritt entfernt.

In Sekundenschnelle erreichte sie die Druckwelle. Alle hätten ein Lebensrettungsset gehabt - eine Art Gasmaske, die durch chemische Substanzen Luft filtert und aufbereitet. Möglicherweise hätten die Opfer keine Zeit mehr gehabt, das Set zu aktivieren, sagt Baumert.

Vorwürfe, die Sicherheitsmaßnahmen seien unzureichend, weisen Baumert wie auch Betriebsrat Rüdiger Kinietz zurück. Es sei üblich gewesen, dass ein Voraustrupp während einer Sprengung im Bergwerk ist, um dann das Gebiet zu überprüfen. Aber man habe davon Abstand genommen, so Baumert. »Während einer Sprengung ist niemand mehr unter Tage.«

Auch die Kritik, das Werk habe Sicherheitstüren zwischen den einzelnen Abschnitten der großflächigen Grube nicht benutzt, lässt Baumert nicht gelten. Die Türen hätten früher einen Sinn gehabt. Mittlerweile seien die Salzabbaugebiete weiter weg vom Schacht. Auch gebe es technische Kontrollen und Seismografen, die einen Gasausbruch anzeigten. »Wir haben das Erdbeben von Fukushima registriert«, erzählt Baumert. Die Türen hätten keine Funktion mehr. Möglicherweise müsse man darüber aber noch mal nachdenken, räumt er ein. Davon unabhängig könnten die Ermittlungen noch Auflagen für das Unternehmen K&S nach sich ziehen. Dies beziehe sich auf den Arbeitsschutz, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Dies sei aber noch offen.

Ohnehin musste der Konzern in den vergangenen Monaten viel Zeit und Geld aufwenden, um wieder Salz fördern zu können. Die Grubenwehr sei 300 Mal in die Tiefe gefahren, um Abschnitte wieder instand zu setzen. 15 000 Arbeitsstunden seien seitdem angefallen, bilanziert deren Leiter Auth. Die Kosten beziffert Unternehmenssprecher Ulrich Göbel auf bis zu fünf Millionen Euro. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen