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Schmutzige Energiewende

Auch 2013 konnten Braun- und Steinkohle ihre Anteile an der Stromproduktion steigern

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Die Verstromung billiger Braun- und Steinkohle in Deutschland sorgt für einen hohen CO2-Ausstoß - und drängt moderne Gaskraftwerke zunehmend an den Rand.

Trotz Energiewende hat auch im gerade zu Ende gegangenen Jahr der Trend zur Stromproduktion aus Kohle angehalten: Aus Braunkohle wurden 2013 insgesamt 162 Terawattstunden (Milliarden Kilowattstunden) Elektroenergie erzeugt, wie aus einer Bilanz der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) hervorgeht. Demnach war die Braunkohle-Verstromung zuletzt 1990 mit 170,9 Terawattstunden höher - damals liefen noch sehr viele alte DDR-Kraftwerke. Die AGEB, die insbesondere von Verbänden der Kohleindustrie getragen wird, weist auf den höheren Wirkungsgrad heutiger Kraftwerke hin - es wird weniger Rohstoff benötigt, um die gleiche Menge Strom zu erzeugen. Daher war der Braunkohleabbau auch 2013 rückläufig.

Selbst der Braunkohlelobbyverein DEBRIV bricht angesichts der neuen Zahlen nicht gerade in Jubelstürme aus und spricht lediglich davon, dass sich die Braunkohle in einem »stabilen energiewirtschaftlichen Korridor« bewegt. Der Anteil am bundesdeutschen Stromverbrauch liegt seit Langem stabil bei rund 25 Prozent. 2013 gab es einen leichten Anstieg von 25,5 auf 25,8 Prozent gestiegen. In absoluten Zahlen betrug das Plus 1,3 Terawattstunden.

Der eigentliche Kohleboom spielt sich bei einem anderen Energieträger ab: der Steinkohle. Die Stromproduktion aus ihr stieg 2013 um fast acht Terawattstunden, wodurch sich ihr Anteil an der gesamten Stromproduktion von 18,5 auf 19,7 Prozent erhöhte - kein anderer Energieträger verzeichnete ein vergleichbares Wachstum. Hebt die AGEB die Braunkohle deshalb hervor, weil sie ein heimischer Energieträger ist und die heftig umstrittene Abbaggerung immer neuer Gebiete vorbereitet wird? Die Steinkohle wird vor allem importiert - die Einfuhren sind nach Angaben des Vereins der Kohlenimporteure (VDIK) 2013 um 6,5 Prozent auf etwa 51 Millionen Tonnen angestiegen - ein Rekord!

Ein Grund für den Boom ist der massive Verfall der Steinkohlepreise, der wiederum seinen Auslöser bei einem ganz anderen Energieträger hat: In den USA boomt seit einigen Jahren die Förderung von Schieferöl- und -gas mittels der umstrittenen »Fracking«-Technologie. Gleichzeitig wird in den traditionellen Bergbauregionen munter weiter Kohle ausgebuddelt, die nun aber exportiert wird und den Weltmarkt überschwemmt. Davon profitieren auch Kraftwerksbetreiber in Deutschland.

Eine anderer Grund für die besseren Wettbewerbsbedingungen bei Stein- wie auch Braunkohle ist der Zusammenbruch des EU-Emissionshandelssystems. Dieses soll eigentlich den Ausbau klimaverträglicher Energien dadurch fördern, dass Betreiber CO2-intensiver Anlagen, also vor allem von Kohlekraftwerken, viel Geld für den Treibhausgasausstoß auf den Tisch legen müssen. Da allerdings viel zu viele der Emissionszertifikate ausgegeben wurden, ist ihr Preis im Keller. Eine Reform hatte gerade das FDP-geführte deutsche Wirtschaftsministerium blockiert.

Das weitere Vorgehen könnte zum Lackmustest dafür werden, wie ernst es die SPD sowie ihr Parteichef und Neu-Energieminister Sigmar Gabriel mit der Energiewende meinen. »Die Bundesregierung muss sich auf EU-Ebene für ambitionierte Klimaziele und eine zügige Reform des CO2-Handels einsetzen«, fordert Christoph Bals von der Umweltorganisation Germanwatch. »Bleiben die Verschmutzungserlaubnisse so billig, fährt der Klimaschutz in der EU vor die Wand.« Bals erinnert daran, dass die Kohleverstromung in Deutschland seit 2010 um 23 Terawattstunden gestiegen ist - etwa die gleiche Menge, um die die Verstromung von Gas zurückging. Dabei wären flexibel einsetzbare Gaskraftwerke die ideale Ergänzung zu den Erneuerbaren.

Auch bei den Grünen lassen die aktuellen Meldungen die Alarmglocken schrillen: »Wer es mit dem Klimaschutz ernst meint, muss dafür sorgen, dass immer weniger Strom aus der Braunkohle kommt«, erklärte die Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn gegenüber »nd«. Der Boom komme RWE & Co. gelegen - »die Braunkohlekraftwerke sind nach den AKW die entscheidenden Renditebringer.«

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