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Junge Israelis stehen auf Neukölln

Eine neugegründete Initiative im Bezirk setzt sich für ein noch besseres interkulturelles Miteinander ein

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 2 Min.

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In vielen Bezirken leben Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Religionen zusammen. Für ein tolerantes Zusammenleben braucht es Engagement.

Sind Neukölln und Wedding No-go-Areas für Juden? Nach Einschätzung von Rabbiner Daniel Alter, dem Antisemitismusbeauftragten der Jüdischen Gemeinde Berlins, können sich jüdische Menschen in Teilen der beiden Bezirke nicht mehr öffentlich sichtbar zu ihrem Glauben bekennen. Zu stark sei der Judenhass in den dortigen türkisch-arabischen Communities verfestigt. Zu aggressiv die oftmals erst jugendlichen Antisemiten. Daniel Alter selbst war im August 2012 bei einer brutalen Attacke schwer verletzt worden. Seine erschreckende Lagebeurteilung rüttelt wach.

Auch Armin Langer hat sich von dieser Aussage zum Handeln aufgefordert gefühlt. Der Rabbinerstudent an der jüdisch-theologischen Fakultät der Universität Potsdam bewertet die Situation in seinem Wohnbezirk allerdings ganz anders. Der 23-Jährige ist überzeugter Neuköllner Lokalpatriot. Und er sagt klar: »Als Jude habe ich keine Angst in Neukölln. Ich fühle mich pudel wohl.« Aus dieser Überzeugung heraus hat der gebürtige Ungar im November 2013 zusammen mit anderen jungen Juden, Christen und Muslimen die Initiative »Salaam-Schalom« gegründet. Ihr ambitioniertes Ziel: Ein anderes Bild von ihrem Kiez vermitteln, auf allen Seiten mit Stereotypen und Ressentiments brechen. »Wir nehmen die Sorgen und Ängste der jüdischen Berliner ernst. Sicherlich existieren auch in Neukölln und Wedding antisemitische und rassistische Denkweisen. Aussagen über angebliche No-go-Areas tragen aber nicht zur Lösung des Problems bei«, sagt Langer. Sie schüren stattdessen noch zusätzlich die Feindschaft, so der angehende Rabbiner.

Mit einem Videoprojekt will die Initiative jetzt ein Zeichen für Toleranz und interkulturellen Dialog setzen. Die Aktivisten haben in Neukölln lebende Menschen mit jüdischem Hintergrund vor der Kamera befragt, ob sie gerne hier leben und wenn ja, was sie an ihrem Kiez schätzen. Das Meinungsbild in den bei YouTube zu sehenden Videos ist eindeutig: Die überwiegende Mehrheit der Befragten lebt sehr gerne im Bezirk. Gerade auch viele junge Israelis zieht es in den Stadtteil im Süden Berlins. Langer, der selber eine Zeit in Jerusalem gelebt hat, weiß auch, warum: »Der orientalische Touch Neuköllns ist für viele Israelis reizvoll. In keinem anderen Bezirk ist er so ausgeprägt zu finden wie hier.« Schon bald soll es eine Fortsetzung der Interviewserie geben. Dann sollen Muslime befragt werden, ob sie Neukölln tatsächlich als No-go-Area für Juden wahrnehmen. Aber auch mit anderen öffentlichkeitswirksamen Aktionen wollen die Engagierten von »Salaam-Schalom« für ein tolerantes Miteinander werben. Neben Diskussionsrunden seien bereits ein Kippa-Flashmob sowie ein gemeinsames öffentliches Gebet von Juden und Muslimen in Planung, wie Langer verrät. Von der Initiative wird also noch zu hören sein.

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