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Gedenken an Rosa und Karl

10 000 erinnerten an die Ermordung Luxemburgs und Liebknechts

  • Von Johanna Treblin und 
Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 4 Min.

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Zum stillen Gedenken in Berlin-Friedrichsfelde legte die LINKE-Parteispitze Kränze und Nelken nieder. An einem alternativen Gedenkzug nahmen rund 500 Menschen teil.

Am Frankfurter Tor in Berlin-Friedrichshain stehen zwei junge Männer in schwarzen Kapuzenpullovern mit roten Nelken in der Hand. Aus der Ferne erschallt ein Sprechchor. »Hoch die Internationale Solidarität!« Der Ruf kommt aus der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration zum Gedenken an die beiden Sozialisten, die am 15. Januar vor 95 Jahren von Freikorps ermordet worden waren.

Um Punkt zehn Uhr hatte sich am Sonntagmorgen der Gedenkzug am Frankfurter Tor in Bewegung gesetzt. Mehrere tausend Menschen beteiligten sich an der Ehrung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts - wesentlich weniger als im vergangenen Jahr. Und das, obwohl die Veranstalter in ihrem Aufruf zur Demonstration auf ein Jubiläum hingewiesen hatten: Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, und Karl Liebknecht war einer der wenigen Sozialdemokraten, die sich gegen einen Kriegseintritt ausgesprochen hatten.

»Die Kriegsfrage hat die Arbeiter gespalten. Während die SPD dem Krieg zustimmte, führten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht den Protest dagegen an. Das ist die zentrale Frage der Linken«, erklärte ein älterer Mann mit einem Naturfreunde-Transparent seine Teilnahme am Demonstrationszug. Dass der Jugendverband der Naturfreunde wie bereits im vergangenen Jahr zu einer alternativen Demonstration im Tiergarten aufgerufen hatte, war ihm nicht bekannt und sorgte ihn wenig. »Dass sich Einzelne absondern, das gibt es schon so lange, wie es die Arbeiterbewegung gibt. Ich habe da keinen Überblick.«

2013 hatten sich mehrere Jugendverbände, darunter die SPD-Jugend Jusos und die Sozialistische Jugend - die Falken, zum Rosa-und-Karl-Bündnis zusammengeschlossen, weil sie nicht gemeinsam mit Stalinisten und Maoisten marschieren wollten, die ihrer Ansicht nach das Bild der traditionellen LL-Demo immer stärker dominieren. Doch von Stalin-Bildern war auf dem Weg von Friedrichshain nach Friedrichsfelde so gut wie nichts zu sehen, sein Konterfei prangte lediglich auf dem Transparent eines türkischen Kommunisten. Stattdessen wehten ungezählte rote DKP-Fahnen im kräftigen Wind, die MLDP und ihr Jugendverband Rebell marschierten in einem großen Block, türkische Kommunisten von der TIKB und der TKP priesen die Internationale Solidarität, die Linke ließ sich vor allem an der Spitze des Zuges blicken und vereinzelt flatterte eine Wendland-Flagge sowie ein Transparent mit Friedenstaube und der Aufschrift »Kein Blut für Öl«. Auch die marxistisch-leninistische Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) waren breit vertreten, und Antifaschisten und Linksautonome liefen gemeinsam in einem großen antiautoritären Block.

Die Rosa-und-Karl-Demonstration war offensichtlich nicht für alle Mitglieder der sozialistischen und sozialdemokratischen Jugendverbände die richtige Alternative. Auch auf der traditionellen LL-Demo gab es einen kleinen Block der Falken und weit verstreut waren Linksjugend-Fahnen zu sehen. Die meisten entschlossen sich aber wohl, zu Hause zu bleiben: Lediglich 500 Menschen versammelten sich nach Veranstalterangaben um 11 Uhr vor dem Sockel des Karl-Liebknecht-Denkmals am Potsdamer Platz. Mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wolle man auch »der vielen anderen gedenken, die sich gegen das Bestehende auflehnten und etwas anderes wollten«, hieß es in der Auftaktrede. Die Demo erinnere zudem an eine Niederlage: 95 Jahre später lebe man noch immer nicht in einer befreiten Gesellschaft. »Denen, die Herrschaft im Namen der Befreiung propagieren, werden wir entgegenhalten: Das ist kein Kommunismus«, hieß es weiter.

»Sicherlich gehen nicht alle mit Mao-Zedong-Plakaten. Trotzdem kann ich heute, da das Ausmaß der stalinistischen Verbrechen bekannt ist, nicht zusammen mit solchen Menschen laufen«, sagte Michael Groys von den Jusos über seine Motivation, auf dieser statt auf der traditionellen LL-Demo mitzulaufen. »Man muss das Andenken an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hochhalten«, fand Fabian von der Linksjugend solid.

Das Andenken hochhalten wollte auch ein LINKEN-Mitglied aus Bautzen auf der traditionellen LL-Demo: »Ich finde die Trennung nicht gut. Ich habe zwar auch was gegen die Stalinisten. Aber denen darf man das Feld nicht überlassen.« Abgesehen von ein paar unliebsamen Randgruppierungen hielt der Bautzener es offensichtlich mit Ernst Busch, dessen Adaptation des Arbeiterliedes »Roter Wedding« mehrfach auf der LL-Demo anklang: »Haltet die roten Reihen geschlossen / dann ist der Tag nicht mehr weit! / Kämpfen wir als Sozialisten / Endlich in einer Front! / Arbeitsbrüder, Kommunisten, / Rot Front! Rot Front!«

Gegen halb zwölf setzte sich der alternative Demonstrationszug am Potsdamer Platz schließlich in Bewegung. Dabei fehlen durfte auch hier nicht die Klobürste, neues Demo-Utensil und Zeichen für den Widerstand gegen das Verhalten der Hamburger Polizei, die nach einer verhinderten Demonstration für das Kulturzentrum Rote Flora Ende Dezember zwei Wochen später die Stadtteile St. Pauli und Altona zur Gefahrenzone ausgerufen hatte.

Zur gleichen Zeit kamen bereits die ersten Teilnehmer der LL-Demo an ihrem Ziel an, dem Friedhof in Friedrichsfelde. Dort legten die Parteivorsitzenden der Linkspartei Katja Kipping und Bernd Riexinger sowie der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi Kränze und rote Nelken - Symbol der Arbeiterbewegung - für Luxemburg und Liebknecht an der Gedenkstätte der Sozialisten nieder. Auch Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und Petra Pau nahmen am Stillen Gedenken in Friedrichsfelde teil. Über den Tag verteilt ehrten rund 10 000 Menschen die 1919 ermordeten Revolutionäre. Blumen gab es auch für Rudolf Breitscheid, Otto Grotewohl, Franz Künstler, Franz Mehring, Wilhelm Pieck, John Schehr, Ernst Thälmann und Walter Ulbricht.

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