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Deutsches Kinderhilfswerk fordert Konzepte gegen die Kinderarmut

Umfrage: Mehrheit will bessere Unterstützung armer Familien / LINKE erneuert Forderungen nach gesetzlichen Mindestlohn und Kindergrundsicherung

Berlin. Das Deutsche Kinderhilfswerk hat dem Staat fehlende Konzepte im Kampf gegen die Kinderarmut vorgeworfen. Derzeit seien rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland von Armut betroffen, erklärte der Präsident des Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, am Dienstag in Berlin. Nötig sei ein nationales Programm zur Bekämpfung der Kinderarmut.

Krüger sprach von einem strukturellen Problem. Normalerweise sinke bei guter Konjunktur die Kinderarmut, dies sei aber jetzt nur noch bedingt der Fall, sagte er im WDR. »Das heißt, dass ein Großteil der Kinder, die sich in Armut befinden, auf Dauer in dieser Armutsfalle bleibt.« Zudem warnte er davor, dass sich die Armut immer häufiger von einer Generation auf die nächste übertrage. Dies liege auch daran, dass staatliche Leistungen für Kinder, wie Kindergeld oder Kinderzuschlag, oft nicht bei den ärmsten Kindern ankämen, weil sie mit Hartz IV-Leistungen verrechnet würden.

Der Kinderzuschlag müsse »reformiert werden und in eine bedarfsgerechte Kindergrundsicherung münden«, erklärte Krüger bei der Vorstellung einer Studie zur Haltung der Bürger zu Kinderarmut in Berlin. Laut der Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes sind drei von vier befragten Bundesbürgern der Meinung, dass Staat und Gesellschaft zu wenig gegen die Kinderarmut tun.

Als Maßnahmen zur Bekämpfung von Kinderarmut forderte die große Mehrheit der Befragten, einkommensschwache Familien und deren Kinder mit Lehrmittelfreiheit (97 Prozent), kostenfreiem Essen in Schulen und Kitas (86 Prozent) und auch kostenfreien Beteiligungsmöglichkeiten an Bildung, Kultur und Sport (81 Prozent) zu unterstützen. 84 Prozent plädierten zudem für eine kostenlose Ganztagsbetreuung für Kinder aus ärmeren Familien in Schulen und Kitas. Zudem sollten dort mehr Fachkräfte und Sozialarbeiter eingesetzt werden, die sich um benachteiligte Kinder kümmern, meinen 94 Prozent.

Eine Mehrheit sprach sich in der Umfrage zudem für eine Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder (70 Prozent) und Erhöhungen des staatlichen Kindergeldes (62 Prozent) als wirksame Unterstützungen aus. Zwei Drittel der Befragten wären auch bereit, mehr Steuern zu bezahlen, wenn damit das Problem der Kinderarmut in Deutschland wirksam bekämpft würde. Infratest dimap befragte 1008 Bürger ab 18 Jahren.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte angesichts der Umfrage die Bundesregierung auf, das Thema Kinderarmut entschlossen anzupacken. Dabei dürften auch Steuererhöhungen kein Tabu sein. »Der Koalitionsvertrag zeigt in Sachen Kinderarmut sträfliche Defizite«, kritisierte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen. Neben der besseren Unterstützung von Alleinerziehenden schlägt der Verband eine Reform des Kinderzuschlags sowie der Hartz-IV-Leistungen für Kinder und Jugendliche vor. Dafür seien jährlich rund zehn Milliarden Euro zusätzlich notwendig.

»Kinderarmut muss endlich wirksam bekämpft werden, statt arme Kinder und Jugendliche auszugrenzen«, erklärt Diana Golze, Leiterin des Arbeitskreises Arbeit, Gesundheit und Soziales der Linksfraktion im Bundestag. DIE LINKE fordere deshalb einem Mindestlohn, der den Namen verdient, eine Kindergrundsicherung, die Armut verhindert, und eine gut ausgebaute soziale Infrastruktur, die allen Kindern und Jugendlichen offen steht.

Nach den vollmundigen Wahlversprechen der SPD in Sachen Familienpolitik, »den Familienleistungsausgleich vom Kopf auf die Füße« stellen und für eine »verlässliche Soziale Sicherung« für Heranwachsende sorgen zu wollen, sei nicht viel übrig geblieben. »Um nicht zu sagen: Nichts«, so die LINKE-Politikerin. AFP/nd

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