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Gib dich nicht aus der Hand!

Joachim Nowotny tot

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Diese Oberlausitz! Hat’s faustdick hinter den Ohren. Schickt seit jeher einen kräftigen Geist auf Wege übers Land. Wenn man nur an den sanften Dichter und Förster Gottfried Unterdörfer denkt. Oder ans vertrackt Fabelhafte in einigen Theaterstücken von Armin Stolper. Zwei von der Poetengilde aus der Oberlausitz. Faustdick hinter den Ohren hat sie’s? Eher anmutig hinter der Stirn, warm hinter den Herzwänden. Ja, auch eine Landschaft hat Herzwände. Aus harten kalten Gefilden kommt andere Poesie als aus weicher Waldung. Joachim Nowotny war ebenfalls Oberlausitzer, geboren in Rietschen, 1933.

Wessen Weltankunft in dieses Jahr fiel, der bleibt ein Leben lang gezeichnet. Der weiß, was er überstehen durfte. Der vergisst nicht, dass Kindheit nicht nur gegeben, sondern auch gestohlen werden kann. Der begreift Krieg als das, was einem gestohlen bleiben möge. Und stiehlt sich nicht weg, wenn unterm Stern einer neuen Zeit Aufbrüche anstehen.

Nowotny, Zimmermann, dann Abiturient an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät, dann Student bei Hans Mayer im berühmten Hörsaal 40 der Leipziger Universität (wer dort alles gierig und germanistisch befeuert saß - die Geschichte dieses legendären Bildungsortes ist auch noch nicht geschrieben!). Nowotny wird kein Germanist, er wird Schriftsteller: «Hochwasser im Dorf», «Labyrinth ohne Schrecken», «Sonntag unter Leuten», «Ein gewisser Robel» - Roman und Erzählung als Feier freundlicher Zugewandtheit zum lebendigsten Alltag. Freimütige Verwunderung darüber, dass Wirklichkeit Lust macht auf mehr Wirklichkeit, nicht weniger.

Dieser Schriftsteller war in seinen Geschichten nie ein Prunkender mit stilistischer, formaler, gedanklicher Extravaganz, aber er löste im Lesenden ein schönes Andachtsvermögen aus - Andacht dann, wenn einem bewusst wird: wie wertvoll es ist, um einen Menschen bangen zu können; wie wunderbar, nicht verwechselbar zu werden; wie beglückend, durch Güte erschütterbar zu sein. «Abschiedsdisco» und «Letzter Auftritt der Komparsen» erzählten zudem vom Menschenschmerz in Zeiten der land- und heimatfressenden Tagebaubagger.

Er war viele Jahre Dozent am Leipziger Literaturinstitut «Johannes R. Becher». Er hat Hör- und Fernsehspiele geschrieben. Er erfand mit Leidenschaft Geschichten für Kinder und Jugendliche. Das war ihm: erzählen, nicht belehren. Es bedeutete ihm, sich niemals herabzulassen zu Erwartungen, die bloß Niedlichstes suchen. Nowotnys Bücher («Jagd in Kaupitz», «Der Riese im Paradies» «Die Gudrunsage», Adebar und Kunigunde«, »Als ich Gundas Löwe war«) sind Beteiligungsbitten an Jüngste und Junge: Gib dich nicht aus der Hand; werd dir nicht selber zur Gefahr, wenn die Sehnsüchte locken; hab Arbeit mit dir und nenn es lohnendes Leben.

Am 13. Januar ist Joachim Nowotny, der nach einem Unfall seit über zwanzig Jahren querschnittsgelähmt war und im Rollstuhl saß, im Alter von 80 Jahren in Leipzig gestorben.

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