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Ein Kuhstall ist kein Ponyhof

Bei der Grünen Woche poliert die Nahrungsmittelwirtschaft ihren Ruf auf

Berlin. Man muss kein Branchenspezialist sein, um zu ahnen, dass ein »Erlebnisbauernhof« auf einer Agrarmesse nicht einmal die halbe Wahrheit über die Lebensmittelproduktion hierzulande aussagt. Denn noch längst ist nicht alles »Bio« und »Öko«; und das Schlachten von Tieren beispielsweise werde auf der »Grünen Woche« ausgeblendet, wie Kritiker bemängeln. Doch nicht nur das: »Die Umwelt muss für die Produktion und den Verbrauch von Lebensmitteln schon heute zahlen. Langfristig werden auch die Verbraucher die Folgen spüren«, warnte Verbraucherschutzexperte Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Mittwoch in Berlin. Kurz vor dem Beginn der weltgrößten Agrarmesse forderten Verbraucherschützer und das Umweltbundesamt (UBA) gemeinsam mehr Einsatz für den Schutz der Umwelt im Lebensmittelbereich. Ein Fünftel des deutschen Treibhausgasausstoßes gehe derzeit auf die Ernährungsbranche zurück. Auch der hohe Fleischkonsum und die Verschwendung von Lebensmitteln trügen zu den umweltschädlichen Emissionen bei, so die Verbraucherschützer.

Jedes Jahr landen den Angaben zufolge elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall. Diesen Berg können die Bürger durch umsichtiges Verhalten verringern. Gefragt seien jedoch alle Akteure: Die Debatte dürfe »nicht auf die Verbraucher verengt werden«, so Krawinkel. UBA und vzbv appellieren unter anderem an den Handel, seine »Qualitätsanforderungen zur Makellosigkeit, Größe und Form von Lebensmitteln zu überdenken«. Hersteller und Händler sollten zudem für eine klare Unterscheidbarkeit von Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum sorgen.

Die »Grüne Woche« beginnt am Freitag. In diesem Jahr haben sich 1650 Aussteller aus 70 Ländern angemeldet. Partnerland ist Estland. Agenturen/nd

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