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Sportstätte im denkmalgeschützten Kasino

Historiker Ciesla recherchiert zum Zwangsarbeiterlager auf dem alten Gelände der Polizeischule in Basdorf

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Die Gemeinde Wandlitz sammelt Ideen für das rund 40 Hektar große geschichtsträchtige Areal an der Bundesstraße 109.

Abriss vorhandener Bauten, Zukunftspläne und Geschichtsaufarbeitung: Ein rund 40 Hektar großes Gelände im Wandlitzer Ortsteil Basdorf beschäftigt seit langem Politiker und Anwohner. Am Donnerstag wurden erste Untersuchungsergebnisse zum ehemaligen Zwangs- und Fremdarbeiterlager sowie Studien zu den vorhandenen Gebäuden präsentiert. Das Areal, das an die Bundesstraße 109 grenzt, steht im Mittelpunkt des Interesses. Während des Zweiten Weltkrieges waren dort mehr als 1000 Zwangsarbeiter untergebracht, die für die damaligen BMW-Flugzeugmotorenwerke schuften mussten.

Dieser Fakt ist bekannt. Auch, dass der berühmte französische Chansonier George Brassens zwischen 1943 und 1944 genau dort untergebracht war, kann man in verschiedenen Veröffentlichungen nachlesen.

Zu DDR-Zeiten nutzte das Ministerium des Innern das Areal und brachte dort Polizeieinheiten unter. Bis 2006 war in Basdorf dann der Standort der Landespolizeischule. Danach gammelte ein Großteil der mehr als 80 Gebäude vor sich hin. Zudem machten sich dort immer wieder Diebe zu schaffen.

2012 tat sich endlich etwas. Es gründete sich die Basdorfer Entwicklungsgesellschaft (BEG), die im Auftrag des Landes Brandenburg die Fläche entwickelt und vermarktet. Und zwar Schritt für Schritt. So wurde vor genau einem Jahr mit umfangreichen Abbrucharbeiten begonnen. »Inzwischen ist der gesamte östliche Bereich beräumt und ebenso sind zwei Bauten im westlichen Abschnitt verschwunden«, berichtet BEG-Geschäftsführer Norbert Illiges. Er geht davon aus, dass im Februar alles das, was abgerissen werden sollte, auch wirklich weg ist.

Parallel zum Abbruch wurden Pläne geschmiedet. Es gab einen Landschaftswettbewerb für eine riesige Freifläche, die nun nach und nach entwickelt werden soll. Und es wurden Ideen für eine neue Nutzung der denkmalgeschützten Häuser entwickelt.

Die Gemeinde Wandlitz könnte sich vorstellen, dass im historischen Kasino künftig der Polizeisportverein, der größte Sportverein der Region, eine neue Heimstätte findet. »Ergänzt werden könnte das mit einem sozialen Zentrum für den Ort«, sagt Bürgermeisterin Jana Radant. Aber halten die denkmalgeschützten Gebäude so eine Umnutzung aus? Und wie war das Zwangsarbeiterlager eigentlich konzipiert? Fragen, die Studien klären sollen.

Burghard Ciesla, Historiker der Universität Potsdam, recherchierte und stellte jetzt erste Ergebnisse vor. Etwa 50 Stein- und Holzbaracken wurden 1942 aufgebaut. Untergebracht waren dort mehr als 1000 sogenannte Fremdarbeiter, die unter anderem aus Holland, Frankreich, Belgien und Italien kamen. »Über den Ablauf im Lager ist wenig überliefert, aber die Bedingungen dort waren vergleichsweise gut«, betont der Historiker. So waren die Steinbaracken mit Duschen ausgestattet. Ciesla glaubt: »Dieses Lager ist vermutlich das größte Fremdarbeiterlager der Region Berlin-Brandenburg gewesen.«

Nach dem Zweiten Weltkrieges sei ein Großteil der Gebäude abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgebaut worden. Einige wurde ab 1947 als Schule, Kindergarten, Verkaufsstelle und Likörfabrik genutzt. »Als 1955 das Ministerium des Innern das Areal übernahm, wurde viel neu gebaut und auch etliches an den alten Häusern verändert«, betont Ciesla, der seine Recherchen weiterführt.

Über den baulichen Zustand der denkmalgeschützten Häuser - dazu zählen das Kasino, das Wachgebäude, die Trafostation, das Kesselhaus und Unterkünfte - referierten gestern Studenten der Berliner Beuth-Hochschule für Technik. Sie kommen zu dem Schluss: Grundsätzlich ist eine Nachnutzung, beispielsweise des Kasinos als Sportstätte, möglich. Allerdings seien weitere Untersuchungen nötig.

Im Februar wird es zwischen der BEG und Denkmalschutzbehörden weitere Abstimmungen zur Zukunft des Geländes geben. Norbert Illiges rechnet damit, dass frühestens 2015 mit Sanierungsarbeiten begonnen werden kann.

www.beg-basdorf.de

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