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Die Göttinnen bekommen Rente

Nepal passt umstrittenen Kult der »göttlichen Jungfrau« der Gegenwart an

  • Von Hilmar König, Delhi
  • Lesedauer: 2 Min.

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In Kathmandu erhalten Frauen, die als »Kumari Devi« dienten, ab Juli eine Rente. Sobald bei einer der »göttlichen Jungfrauen« die Menstruation eintritt, wird sie ins normale Leben entlassen - bisher mittellos.

In Nepal werden insgesamt zehn Mädchen und Frauen, die ihren Dienst als »Jungferngöttin« (Kumari Devi) geleistet haben, ab Juli zehn Jahre lang eine Monatsrente von umgerechnet etwa 75 Euro erhalten. Die Summe ist ein Viertel des Betrages, den sie während ihrer aktiven Zeit monatlich von der Verwaltung der Hauptstadt Kathmandu gezahlt bekommen. Der Beamte Laxman Aryal, der das diese Woche bekannt gab, nannte diesen Beschluss eine wichtige Maßnahme zur Bewahrung des kulturellen Erbes des Himalajastaates. Für die Betroffenen bedeutet sie eine Erleichterung für den Übergang vom göttlichen ins wirkliche Leben.

Zur Kumari Devi werden nur sehr junge Mädchen aus zwei Sekten der Newari-Gemeinschaft gekürt. Und sie behalten diesen Status bis zur ersten Menstruation. Dann muss eine Nachfolgerin gewählt werden. Diese hat 32 Kriterien zu entsprechen, darunter das äußere Erscheinungsbild und ihre Furchtlosigkeit. Eine der Mutproben besteht darin, dass sie eine Nacht allein in einem Raum mit Büffelschädeln verbringen muss. Immerhin verkörpert eine Kumari im hinduistischen Glauben Nepals die weibliche göttliche Energie. Aber nicht nur die Hindus, sondern auch nepalesische Buddhisten verehren sie, wenn sie sich zu religiösen Anlässen in der Öffentlichkeit sehen lassen darf. Ansonsten sitzt sie abgeschirmt in ihrem Palast und lässt sich nur hin und wieder für Momente an einem kleinen Fenster blicken, um neugierigen Touristen und Gläubigen einen Gefallen zu tun.

Der Kumari-Kult stammt aus dem 17. Jahrhundert unter der Malla-Dynastie und wurde nach der Abschaffung der Monarchie im Jahre 2008 beibehalten. Doch der Umsturz brachte auch den göttlichen Jungfern im Tempelpalast der Altstadt Katmandus eine wesentliche Neuerung. Bis dahin war ihnen jeder Kontakt mit der Außenwelt verboten, auch Lehrer hatten keinen Zutritt zu einer Kumari. Das hat sich nach einem Urteil des Höchsten Gerichts geändert. Schulunterricht im Palast und sogar eine Berufsausbildung gehören zum Programm, damit eine Ex-Göttin für das zivile Leben gewappnet ist. Die Perspektiven für die Mädchen verbessern sich damit spürbar. Zum Status einer Ex-Göttin gehörte früher auch, dass sie nicht heiraten sollte, weil dies dem Gatten Unglück oder gar den Tod bringe.

Die Kumari Devi von Kathmandu hat Amtsschwestern in den Nachbarstädten Patan und Bhaktapur, wobei es letztere leichter hat. Sie darf bei ihren Eltern leben, zur Schule gehen und sich auch sonst nach eigenem Gutdünken frei bewegen. Nur zu den religiösen Festen ruft sie die göttliche Pflicht und sie muss wieder in die Gestalt der Kumari Devi schlüpfen.

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