Werbung

Honeckers Mauerprognose

Vor 25 Jahren sagte der SED-Chef der hoch gesicherten Grenze zwischen Ost und West noch eine lange Existenz voraus

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Es war ein 19. Januar, die DDR begann Thomas Müntzer mit einem Jubiläumsjahr zu feiern, und selbst Staats- und Parteichef Erich Honecker schwang sich zu einer Rede auf. Natürlich kommen Politiker bei solchen Anlässen gern auf das Aktuelle zu sprechen, und so war es für Honecker nicht all zu schwierig, vom Bauernkrieg zu den Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten überzuleiten. Das Wort zappen gab es wohl damals noch nicht. Die Mauer, sagte Honecker schließlich, und das sollte der bekannteste Satz aus dieser Rede werden, die Mauer werde »auch noch in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben«.

Der Satz sorgte damals für Aufsehen in Ost und vor allem in West; zu diesem Zweck war er auch formuliert worden. Heute wissen wir, dass die Mauer – schon der legere Sprachgebrauch ließ aufhorchen, denn ansonsten war vom antifaschistischen Schutzwall oder wenigstens von der Staatsgrenze die Rede – keine 50 Jahre Bestand hatte, sondern gerade mal die reichliche Hälfte. Allerdings war Honeckers Aussage nicht so platt, wie sie meistens kolportiert wird. »Die Mauer wird so lange bleiben, wie die Bedingungen nicht geändert sind, die zu ihrer Errichtung führten«, sagte Honecker auch. Und: Die Mauer werde so lange stehen, bis »die dazu vorhandenen Gründe nicht beseitigt sind«. So viel Dialektik war schon mit im Spiel.

Das Ende der Mauer und der Teilung Deutschlands kam dann ganz anders, als von den SED-Oberen gedacht. Der Sozialismus setzte sich nicht durch, sondern ging unter. Immer mehr DDR-Bürger wollten nicht mehr, reisten aus, flohen in Prager, Budapester oder Warschauer West-Botschaften oder gingen auf die Straße. Womöglich war die Mauer-Äußerung nicht mehr als ein trotziges Aufbegehren. Kaum war die Mauer im Herbst 1989 durchlässig geworden und wenig später ganz gefallen, kaum war der Staatssozialismus zusammengebrochen, riefen irgendwelche Schlaumeier eilfertig das Ende der Geschichte aus. Doch sie sollten sich nicht all zu sicher sein. Inzwischen, angesichts neuer Krisen des Kapitalismus und neuer Bedrohungen, redet davon kaum noch jemand.

Erich Honecker hielt die Rede mit dem berühmten Mauersatz Anfang 1989, vor genau 25 Jahren. Da war der Mauer nicht mal mehr ein Jahr geblieben.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen