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Korruption im Atomkomplex

Anklage in Russland gegen Ex-Manager von Rosatom

  • Von Bernhard Clasen
  • Lesedauer: 2 Min.

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Frühere Manager der russischen Atombehörde Rosatom sollen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Demnächst beginnt der Prozess gegen sie.

Sechs frühere Top-Manager der russischen Atombehörde Rosatom werden sich demnächst als Angeklagte in einem Korruptionsprozess wiedersehen. Wie die Tageszeitung »Kommersant« am Montag berichtete, habe die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen nach drei Jahren abgeschlossen und bereits in der vergangenen Woche die Unterlagen an ein Moskauer Gericht übermittelt. Der Prozessbeginn ist noch nicht terminiert. Unter den Angeklagten befinden sich der frühere stellvertretende Rosatom-Chef Jewgenij Evstratov und der Generaldirektor des staatlichen »Zentrums für radiologische und atomare Sicherheit«, Sergej Kasakow. Die Manager werden unter anderem beschuldigt, ihre Position missbraucht zu haben, um in die eigene Tasche zu wirtschaften.

Das Verfahren gegen die Vertreter des Atomgiganten, der Uranminen, AKW und Atommülllager baut und betreibt sowie Nuklearexporte und das Atomwaffenprogramm durchführt, war bereits 2010 eingeleitet worden. Damals wurde der ehemalige Vizechef der Rosatom-Abteilung für Bauprojekte, Sergej Kolobajew, verhaftet. Er soll 1,3 Millionen Euro, die für zwei Einrichtungen zur Entsorgung von Atommüll in Murmansk bereitgestellt waren, in die eigene Tasche gesteckt haben. Die Anlagen existierten nur auf dem Papier. Ebenfalls verhaftet wurde Mustafa Kaschka - er hatte als Vizegeneraldirektor der staatlichen Firma Rosatomflot die Fertigstellung der Anlagen protokolliert.

Im Juli 2011 klickten dann auch für Jewgenij Evstratov die Handschellen. Der aus der Atomstadt Angarsk am Baikal-See stammende Top-Manager wollte sich gerade in den Ruhestand zurückziehen. Ihm wird vorgeworfen, für knapp eine halbe Million Euro Gutachten in Auftrag gegeben zu haben, die nie angefertigt wurden. Stattdessen habe die Rosatom-Führung Texte vorgestellt, die aus Dissertationen abgeschrieben und aus dem Internet kopiert waren. Auf ähnliche Weise waren später weitere 500 000 Euro veruntreut worden, als man eine Privatfirma, die lediglich die Lizenz zur Produktion von CDs hatte, mit weiteren Gutachten beauftragte. Im November 2012 wurden Evstratov und Kolobajew aus der Untersuchungshaft entlassen. Alle Angeklagten sind zur Zeit auf freiem Fuß.

»Korruption hat es bei Rosatom immer gegeben«, kommentierte der Vorsitzende der russischen Umweltorganisation »Ecodefense«, Vladimir Slivjak, die Anklage gegen die Atommanager gegenüber »nd«. »Doch unter dem derzeitigen Chef Sergej Kirienko hat sie bisher ungekannte Ausmaße angenommen. Es gibt keine Kontrolle der Finanzflüsse von außen«, so Slivjak. In den vergangenen Jahren seien Dutzende Mitarbeiter entlassen worden. Die Korruption in der russischen Atomwirtschaft stelle eine weitere Bedrohung für die gesamte Bevölkerung dar. So werde Material unter Preis gekauft, das den Sicherheitsstandards nicht entspricht, nur weil sich ein Manager den Differenzbetrag in die eigene Tasche stecken wolle. Laut einem von »Ecodefense« zusammen mit der Antikorruptionsorganisation Transparency International erstellten Bericht aus dem Jahr 2010 entsprachen 40 Prozent des von Rosatom eingekauften Materials nicht den Normen, weil sich die Einkäufer bereicherten.

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