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Nichts für Weicheier

Weltmeisterschaft im Bandy beginnt in Irkutsk - sogar Somalia ist mit einem Team dabei

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Bandy ist die Urform des Eishockeys, von der russische Klosterchroniken schon aus dem 10. Jahrhundert berichten. Der 29-jährige Finanzbuchhalter Rens Bögels aus Nijmegen spielt als Libero für die niederländische Nationalmannschaft und will ab Montag bei der WM 2014 im sibirischen Irkutsk punkten. Dort wird übrigens auch eine deutsche Auswahl auflaufen. Und sogar eine aus Somalia. Bögels sprach vor dem Turnier mit René Gralla.

nd: Wozu brauchen wir noch Bandy, wenn wir inzwischen das moderne Eishockey haben?
Bögels: Weil sich dieser Sport grundlegend vom Eishockey unterscheidet. Die Spielfläche ist so groß wie ein Fußballfeld, jedes Team hat elf Aktive, außerdem schlagen wir keinen Puck, sondern einen Ball.

Einen Ball? Wie funktioniert das auf Eis?
Der Ball hat einen Kern aus Kork und einen Mantel aus Gummi, gleitet deswegen mehr, als dass er rollt, wenn er nicht gerade durch die Luft fliegt. Und man kann das Ei auch wie beim Fußball mit der Brust stoppen.

Offenbar nichts für Weicheier. Und besonders hart für den Torwart, der auf Eis und nicht auf Rasen seinen Job machen muss.
Stimmt. Zumal der Schlussmann keinen Schläger hat, sondern versuchen muss, den Ball mit den Händen zu fangen oder mit dem Körper abzuwehren. Und der Ball ist höllisch schnell.

Warum ist Bandy hier zu Lande kaum bekannt?
Bandy ist viel populärer als Sie denken, allerdings zugegebenermaßen nicht in Westeuropa. Das hat klimatische Gründe: Sie brauchen niedrige Wintertemperaturen, um Fußballfelder für Bandy komplett mit Eis zu überziehen. In Russland und Skandinavien ist das kein Problem, und dort ist Bandy unglaublich beliebt. In unseren Breiten schafft es der Frost nur selten, so große Spielflächen komplett zu überfrieren. Zum Training müssen wir deswegen auf die kleineren Eishockeyfelder ausweichen. Das führt wiederum dazu, dass wir Strategien und Taktiken, die auf dem viel größeren Bandyfeld zum Einsatz kommen, nicht wirklich einüben können.

Wenn es so schwierig ist, den Bandysport auszuüben, weswegen tun Sie sich das dann an? Im massentauglichen Eishockey könnten Sie viel Geld verdienen.
Dafür ist es im Eishockey auf Grund der großen Konkurrenz ein sehr langer Weg bis an die Weltspitze. Im Bandy dagegen kann ich mit meinem Team gleich auf dem Toplevel mitmachen. Und so starten wir dann auch übermorgen bei der WM in Irkutsk. Allein Irkutsk hat drei Bandystadien, und da kommen immer Zehntausende Zuschauer. Alle möchten dich kennen lernen, fragen nach Autogrammen und wollen sich zusammen mit dir fotografieren lassen.

Groupies inklusive?
Jede Menge! (lacht)

Was braucht man, um gut im Bandy zu sein?
Das Spiel ist strategisch, und darin ähnelt es wieder dem Fußball. Zugleich aber ist Bandy viel schneller, die Spielsituationen wechseln blitzartig, und du musst in Bruchteilen von Sekunden umschalten können.

Gibt es da viele Verletzungen?
Bodychecks führen nicht selten zu heftigen Stürzen. Und wenn dem Gegner eine Ecke gegeben wird und du versuchst, mit deinen Leuten die Torlinie abzuschirmen, dann solltest du aufpassen, dass du den Ball nicht ins Gesicht kriegst.

Bandy ist demnach schnell, strategisch und hart. Und fristet trotzdem westlich von Sibirien ein Nischendasein, während Eishockeyspieler als Stars gefeiert werden. Nervt Sie das manchmal?
Das ist frustrierend, ganz klar! Zumal wir Bandyspieler vom Eishockeylager nicht so recht für voll genommen werden. Aber die haben eben keine Ahnung, was Bandy für ein super Spiel ist.

Vor knapp drei Wochen hatte Davos zu einem Revivalturnier geladen, zur Erinnerung an die erste Europameisterschaft 1913. Auch eine deutsche Auswahl war dabei, aber die haben bloß Niederlagen kassiert. Woran hat's gelegen?
Der deutsche Verband ist erst vor kurzem gegründet worden. Die Deutschen haben sicher einige gute Leute in der Mannschaft, aber das war deren erste Begegnung auf internationaler Ebene.

Wie sah das Publikum im mondänen Davos aus? Ladys mit Champagnergläsern auf den Rängen?
Nein, das waren ganz normale Menschen (lacht). Darunter viele Urlauber aus den Niederlanden, die uns angefeuert haben.

Entsprechend haben Sie in Davos auch gewonnen. Was ist Ihr WM-Ziel in Irkutsk?
Favoriten sind die Russen, die treten in der A-Gruppe an. Wir kämpfen im B-Pool, aber dort wenigstens in der ersten Staffel. Wir wollen da eine Goldmedaille holen und den Aufstieg schaffen.

Welche Chancen geben Sie den Deutschen?
Was soll ich sagen, die finden Sie in der zweiten Staffel der B-Gruppe, zusammen mit Japan, der Mongolei und Somalia.

Mit Somalia? Das soll wohl ein Witz sein!
Nein. Das sind Expatriates, die in Schweden leben. Zuerst hatten die Somalis wohl eine Fußballmannschaft aufgestellt, doch dann sind sie auf Bandy umgestiegen. Sie haben allerdings überhaupt erst vor einigen Monaten das Schlittschuhlaufen gelernt. Aber die Somalis werden in Irkutsk bestimmt viel Spaß haben.

Bandy-Weltmeisterschaften vom 26.1. bis 2.2. in Irkutsk (Russland). Erstes Spiel der deutschen Mannschaft gegen Somalia am 27.1. im Stadion »Zenit« (weitere Infos im Internet unter: bandy-bund.de) Die Regeln des Spiels sind unter: de.wikipedia.org/wiki/ Bandy_(Sport) nachzulesen


Bandy ist eine Mischung aus Fußball und Rasenhockey - allerdings auf dem Eis. Die Spielfläche ist annähernd so groß wie ein Fußballfeld. Ein Team hat elf Spieler. Ein kleiner Ball (kein Puck!) muss mit vorne gebogenen und abgeflachten Schlägern ins gegnerische Tor geschlagen werden. Die Tore sind 3,50 Meter breit und 2,10 Meter hoch, davor ein Strafraum mit einem Radius von 17 Metern. Es werden zwei Halbzeiten zu 45 Minuten gespielt. Das Regelwerk kennt Abseits sowie Eckbälle. Weltmeisterschaften im Bandy, das nach seinem Herkunftsland auch »Russisches Hockey« heißt, werden seit 1957 ausgetragen. Rekordhalter mit 21 Titelgewinnen sind die Sowjetunion bzw. ihr Nachfolgestaat Russland. gra

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