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Kleine Schwierigkeiten

Simon Poelchau über Angela Merkels Werben für Freihandelsabkommen

Die Bundeskanzlerin, sie sagt selten was. Doch wenn sie etwas sagt, dann hat es Gewicht. So war es auch am Montagabend, als Angela Merkel für ein Freihandelsabkommen mit Asien warb.

Die wirtschaftliche Annäherung an den größten Kontinent der Erde dürfte da jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen. Eher fällt ins Gewicht, was Merkel über das zurzeit auf Eis gelegte Freihandelsabkommen mit den USA - fast nebenbei - bemerkte: Dies dürfe »vor lauter kleinen Schwierigkeiten« nicht aus den Augen verloren werden. Aha. Der gesamte NSA-Abhörskandal, der sogar vor Merkels eigenem Handy nicht Halt machte, ist für sie offenbar nur eine »kleine Schwierigkeit«. Auch nur »kleine Schwierigkeiten« sind für Merkel die zahlreichen schweren Bedenken, die Opposition, Verbände und Bevölkerung gegen das Abkommen mit den USA haben. Sie haben Angst, dass Gentechnik in Europas Landwirtschaft Einzug hält und so auf die Teller der Menschen gelangt. Sie haben Angst, dass Unternehmen noch mächtiger werden, weil sie die Möglichkeit bekommen sollen, ganze Staaten zu verklagen.

Das alles sind für Merkel nur »kleine Schwierigkeiten«. So drängt sich der Verdacht auf, dass sie sich mit dem Abkommen in die Geschichtsbücher einschreiben will. Es wäre ja das größte seiner Art.

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