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»Der Freitag« - fünf Jahre »Meinungsmedium«

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Im Jahr 2008 kaufte Jakob Augstein die Wochenzeitung »Der Freitag«. Im Jahr darauf - im Februar 2009 - verkündete der neue »Freitag«-Besitzer den Umbau des Blattes und verpasste ihm den Untertitel »Das Meinungsmedium«. Wie sieht es mit Augsteins Bilanz zum fünften Jahrestag des Umbaus aus?

Gegen den schiefen Untertitel protestierten viele freie Mitarbeiter, die sich nicht als Meinungstrommler, sondern als kritische, analytische Journalisten verstanden. Allerdings vergeblich - sie erhielten nicht einmal eine Antwort des neuen Hausherrn. Der verkündete meinungsstark: »Wir sind keine reine Zeitung mehr, sondern ein Medium, das versucht, Online und Print komplett ineinander zu verschränken.« Auf einer Jahrestagung des »Netzwerkes Recherche« schwärmte er von seinem »Projekt«: »Wir drucken alles: Bürgerjournalismus, Blogger und Experten. (…) Unsere freien Autoren müssen ihr Geld woanders verdienen. Ich bin für meine Leser zuständig, nicht für die freien Journalisten.« Die Kampfansage blieb fast ohne Echo.

Realisiert wurde vor allem das Versprechen, »alles« zu drucken. Die Auflage des »Freitag« dümpelt bei 16 000 Exemplaren, das Blatt blieb in den roten Zahlen stecken. Zahlreiche Redakteurinnen und Redakteure verließen die Zeitung.

In einem Anfall von Selbstüberschätzung, gepaart mit Verhältnisblindheit, nahm sich Augstein den britischen »Guardian« als Vorbild. Der »Guardian« beschäftigte einst 650 Redakteure, der »Freitag« keine 20. Das englische Blatt halbierte seine Auflage seit 2000 auf heute noch 220 000, entließ eben ein Sechstel seiner Mitarbeiter und fuhr 2012 ein Defizit von 55 Millionen Euro ein. Den größten Teil dieser Summe hat der »Guardian« mit seiner Online-Ausgabe im Netz versenkt. Wie hoch das Defizit beim »Freitag« ist, weiß man nicht.

Das Geschäftsmodell beider Zeitungen war von Anfang an auf Sand gebaut, denn es geht davon aus, die Verknüpfung von Online und Print, Bloggerei und Meinungshuberei auf der einen, Qualitätsjournalismus auf der anderen Seite sei nicht nur zukunftsweisend, sondern auch finanziell solide. Tatsächlich musste Augstein jedoch öffentlich einräumen, dass er auf der Kinderspielwiese »Community« im Netz zwar Geld investieren und versenken, aber nur mit der gedruckten Zeitung welches verdienen kann.

Augsteins großspurige Ankündigungen tangieren solche Einsichten nicht. Bereits in einem Interview kurz nach dem Blatt-Umbau bekannte er: »Die Tageszeitungen machen meiner Meinung nach jetzt schon keinen Sinn mehr, weil auf den ersten zwei, drei Seiten nur Nachrichten stehen, das ist völliger Schwachsinn. (…) Ich wüsste nicht, warum es die Süddeutsche in zwanzig Jahren noch geben soll. (...) Ich glaube, dass ich über das, was tatsächlich in der Gesellschaft los ist, aus der BILD mehr erfahre als aus der Süddeutschen (…). Ich bin ein großer Freund vom Boulevard, weil ich glaube, dass er genau dahin geht, wo die ganzen arrivierten Journalisten nicht mehr hingehen« (Frankfurter Rundschau vom 10./11.6.2009).

Was die Boulevardisierung des »Freitag« betrifft, so ist dies dem Boulevardfreund Augstein zumindest im dritten Bund (»Alltag«) gelungen. Ob es den »Freitag« in fünf Jahren noch gibt, kann man nicht wissen. Als Geschäftsmodell ist er schon jetzt tot.

Am 30. Juni 2011 bekundete Augstein in Übereinstimmung mit Matthias Döpfner vom Springerkonzern, das Netz sei ein »Freiheitsmedium« und verteidigte die »Gratiskultur« als Ausdruck substanzieller Freiheit. Mittlerweile hat sich Döpfner von solchen ideologischen Flausen verabschiedet und sich auf Adam Riese besonnen. Döpfner spricht jetzt vom »Ende der Kostenfreiheit« (SZ 12.12.2012) und will »Bezahl-Gewohnheiten etablieren« (FAZ 23.1.2014). Qualitätsjournalismus ist mit Gratisangeboten, Community-Sandkästen und »Bürgerjournalismus« nicht zu erhalten. Auch Augstein weiß: »Community ersetzt keine Redakteure und spart kein Geld« und bringt auch keines. Seine Behauptung, »mit der Community kann man eine bessere Zeitung machen«, ist eine Chimäre. Viele gedruckte Beiträge aus der Community-Scheinwelt sind von grobianischer Einfalt.

Rudolf Walther war freier Autor beim »Freitag«.

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