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Munitionslast trägt Stromkunde

Nordsee-Windpark »Riffgat« nun am Netz

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Ein halbes Jahr später als geplant speist der Nordsee-Windpark »Riffgat« Strom ins Netz ein. Munitionsfunde waren Ursache der Verzögerung. Die Mehrkosten werden auf die Stromkunden abgewälzt.

Rund 120 000 Verbraucher soll der Offshore-Windpark »Riffgat« mit Energie versorgen. Dafür drehen sich 15 Kilometer nordwestlich der niedersächsischen Insel Borkum 30 Windräder mit einer Gesamtleistung von 108 Megawatt. Errichtet hat das Ganze der Oldenburger Energieversorger EWE, der sich mit 90 Prozent an dem 480 Millionen Euro teuren Projekt beteiligt hat. Den Rest trägt der Entwickler ENOVA aus dem ostfriesischen Bunderhee. Für den Stromfluss zu den Kunden ist der Netzbetreiber TenneT verantwortlich.

Schon vor dem ersten Rammschlag in der Nordsee war das Vorhaben von Problemen begleitet. Fischer befürchteten spürbare Einbußen durch die erforderliche weiträumige Sperrung eines Fanggebietes. Die Betroffenen klagten, hatten aber 2009 vor Gericht keinen Erfolg.

Auch mit territorialen Fragen mussten sich die Planer des Windparks auseinandersetzen: Teilbereiche des Projektgebietes könnten zu den Niederlanden gehören, hieß es aus Amsterdam. Niedersachsens Landesregierung schaltete sich ein, stieß Verhandlungen über einen Vertrag mit dem Nachbarland an, um die Sache einvernehmlich zu regeln und Probleme bei der Nutzung von »Riffgat« auszuräumen.

Im September 2010 kam die Baugenehmigung, knapp zwei Jahre später wurde der erste Gründungspfeiler in den Meeresboden gerammt. Die Freude der EWE über den Abschluss der Bauarbeiten am 17. Juli 2013 war von einem tragischen Geschehen überschattet: Zwei Tage vor der Meldung »Riffgat steht« war dort ein 26-jähriger englischer Berufstaucher beim Befestigen von Kabeln tödlich verunglückt.

»In nur 14 Monaten vollendet«: Unter diesem Motto feierten die beteiligten Firmen und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im August 2013 den Windpark. Seinerzeit war aber bereits klar: Er geht mit Verspätung ans Netz. Untersuchungen hatten ergeben, dass auf der geplanten Kabeltrasse zwischen »Riffgat« und der Küste gefährliche Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Minen, Munition für Kanonen und Gewehre wurden entdeckt. Fast 30 Tonnen dieser Relikte musste Netzbetreiber TenneT vor dem Verlegen des Seekabels bergen lassen.

Währenddessen aber durften die Windräder nicht still stehen, sonst hätten ihre Lager Schaden nehmen können. Dieselaggregate wurden zu Riffgat geschafft, trieben die Windräder an - nun fraßen sie Strom, anstatt ihn zu liefern.

In punkto Verzögerung sind sich die beteiligten Unternehmen uneins. Netzbetreiber TenneT argumentiert, er habe die von EWE geplante Trasse entlang eines mit Munition belasteten Gebietes »ohne Änderungsmöglichkeiten übernehmen müssen«. EWE wiederum verweist auf die Landesbehörde, welche die Strecke genehmigt hatte, und wirft TenneT vor, zu spät mit den Arbeiten an der Trasse begonnen zu haben.

Der Schwarze Peter bleibt bei den Verbrauchern. Die 100 Millionen Euro Mehrkosten, die TenneT durch die Munition entstanden sind, legt der Netzbetreiber auf die Stromkunden um. Dies hat die Firma bereits angekündigt. In diesem Jahr werden deutschlandweit noch sechs weitere Windparks in Betrieb genommen.

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