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Privatsache

Silvia Ottow über das Karlsruher Urteil zum Elternunterhalt

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Immer mehr Menschen können am Ende des Lebens ihre Pflegekosten nicht mehr bezahlen - darunter übrigens sehr viele, die fleißig gearbeitet und Kinder großgezogen haben. Man könnte es sich leicht machen und sagen: Dann sollen das doch die Kinder übernehmen, schließlich haben sie an ihrem Lebensanfang auch die finanzielle Solidarität der Eltern erlebt. Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht, wenn man weder die Jungen für diese Aufgabe stärkt - sie sind ja zunehmend nicht mal in der Lage, für sich selbst vorzusorgen -, noch die bedürftigen Alten anständig versorgt. Es lebt schließlich nur die Hälfte von ihnen in einem Pflegeheim, alle anderen werden ohnehin zu Hause betreut und zwar im Wesentlichen zu Lasten ihrer Familien und Freunde und am allergeringsten zu Lasten der Gesellschaft. Pflegeheime sind im übrigen auch keine karitativen Einrichtungen, sondern die Betreiber verdienen Geld damit.

Wenn ein Kind dazu verurteilt werden muss, seinen Vater bei der Finanzierung eines Heims zu unterstützen, obwohl sich dieser von ihm abgewendet hatte, dann ist das mindestens fragwürdig und ruft nach einem neuen Blick auf das Beziehungsgeflecht von Familie und Verantwortung in dieser Gesellschaft, vielleicht auch nach einer Änderung der Gesetze. Denn eines ist ganz sicher: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird steigen und die Zahl jener, die nicht mal die einfachsten Hilfen mehr selbst bezahlen können, auch. Und das ist nun ganz gewiss keine Privatsache, obwohl uns Politiker das immer wieder weis machen wollen.

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