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Woher die Kaufkraft nehmen?

Simon Poelchau über den falschen Schein des deutschen Jobwunders

Die Wirtschaft brummt, es arbeiten mehr Menschen als je zuvor. Ganz Deutschland freut sich. Wirklich ganz Deutschland? Eher nicht. Denn die breite Bevölkerung hat eigentlich kaum Grund zur Freude.

Wie das Statistische Bundesamt nämlich am Donnerstag mitteilte, sind die Reallöhne letztes Jahr um 0,2 Prozent gesunken. Der Durschnittsnormalarbeitnehmer hat also nichts vom viel gepriesenen Aufschwung. Stattdessen muss er sogar noch draufzahlen. Wegen der Inflation hat er nämlich unter dem Strich weniger Geld in der Tasche als ein Jahr zuvor. Das wirft nicht nur die immer schwelende Frage der sozialen Gerechtigkeit wieder auf. Vor allem wird ein Großteil der wirtschaftspolitischen Kommentare der letzten Zeit ad absurdum geführt. Darin kam die Hoffnung zum Ausdruck, dass der Konsum die Wirtschaft stützen wird, wenn der Export einmal schwächelt. Doch wie soll dies gehen, wenn die arbeitende Bevölkerung immer weniger Kaufkraft hat?

Die einzige wirkliche Lösung sind höhere Löhne. Das ist nicht nur gut für die Wirtschaft, es freut auch die arbeitende Bevölkerung. Dies durchzusetzen obliegt hierzulande vor allem den Gewerkschaften. Doch höhere Tarifabschlüsse reichen dafür nicht aus. Denn für immer mehr Menschen ist eine tarifgerechte Entlohnung eine ferne Utopie geworden.

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