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Übers Ziel hinweggeflogen?

Grit Gernhardt wundert sich darüber, dass sich die Gewerkschaft ver.di für einen erfolgreichen Streik entschuldigt

Ein Streik soll Druck auf die Arbeitgeber machen und den Gewerkschaften helfen, ihre Forderungen durchzusetzen. Da ist es hilfreich, wenn die Konzerne, gegen die er sich richtet, in ihrem Funktionieren möglichst stark beeinträchtigt werden - könnte man meinen. Vergangenen Freitag legten nun die privaten Sicherheitsleute mit einem Warnstreik den Frankfurter Flughafen teilweise lahm.

Statt sich aber über die gute Ausgangsposition in den Tarifauseinandersetzungen zu freuen, ruderte die Gewerkschaft ver.di jetzt zurück: »Mit diesem Ausmaß und dieser großen Beteiligung haben wir nicht gerechnet«, sagte eine Sprecherin fast verzweifelt und entschuldigte sich für entstandene Unannehmlichkeiten. Das ist eine nette Geste gegenüber genervten Fluggästen, zeigt aber nicht gerade gewerkschaftliche Stärke. Natürlich ist es unschön, wenn Unbeteiligte darunter leiden müssen, dass Arbeitgeber ihren Angestellten keinen angemessenen Lohn zahlen. Doch ist ein verschobener Flug kein Grund, eine Morddrohung an die ver.di-Servicestelle zu schicken, wie es offenbar passiert ist. Da wäre mehr Solidarität mit dem Arbeitskampf gefragt. Und bitte keine weiteren Kniefälle der Gewerkschaften wegen der Durchsetzung berechtigter Forderungen.

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