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Jüdischer Friedhof braucht mehr Platz

Gemeinde, Stadt Erfurt und Land Thüringen beraten über die Finanzierung

Auf dem wichtigsten Friedhof der jüdischen Gemeinde in Thüringen ist zu wenig Platz. Das Gelände in Erfurt soll erweitert werden. Ungeklärt ist aber, wer die Kosten trägt.

Erfurt. Der jüdische Friedhof in Erfurt wird schon bald zu klein sein. »Derzeit ist noch Platz für etwa zehn Gräber, die Erweiterung muss deshalb noch in diesem Jahr umgesetzt werden«, sagte der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm. Zur Zeit liefen deshalb Gespräche mit der Stadt Erfurt und den zuständigen Ministerien, um das Problem zu lösen und die Fläche zu erweitern.

In Erfurt befindet sich der größte und wichtigste noch genutzte jüdische Friedhof in Thüringen. Sonst steht nur auf dem städtischen Friedhof in Nordhausen ein kleiner Bereich für jüdische Begräbnisse zur Verfügung. Größtes Problem beim Ausbau sind derzeit die Kosten, die auf mehr als 100 000 Euro geschätzt werden und von der jüdischen Gemeinde nicht alleine getragen werden können. Neben dem Bau von Wegen, Mauern und dem Abfluss für Regenwasser müsse auch die denkmalgeschützte Trauerhalle erneuert werden, sagte Schramm.

Die Sprecher von Stadt und Landesregierung bestätigten, dass die Gespräche bisher in einem sehr positiven Klima verlaufen seien. Feste Zusagen gebe es bisher aber nicht. Die bisherigen Sanierungspläne sehen vor, dass auf einer Hangfläche auf dem bestehenden jüdischen Friedhof Platz für etwa 400 weitere Gräber geschaffen wird.

Da der Friedhof sich im Privatbesitz der jüdischen Landesgemeinde befinde, sei die Stadt Erfurt nicht direkt zuständig, sagte die Sprecherin von Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD). Dennoch sei die Stadt Erfurt sehr daran interessiert, die Landesgemeinde zu unterstützen. Dem Sprecher des Kultusministeriums zufolge wäre unter Umständen auch eine Förderung der Sanierung der denkmalgeschützten Trauerhalle möglich, bisher seien aber keine entsprechenden Anträge gestellt worden.

Im Freistaat gibt es insgesamt 34 jüdische Friedhöfe, die bis auf die beiden Ausnahmen nicht mehr genutzt werden. Nach Einschätzung der jüdischen Landesgemeinde und des Landesamts für Denkmalschutz sind die meisten davon in einem guten Zustand. »Weil über die vergangenen Jahre hinweg kontinuierlich eine gute Pflege geleistet wurde, gibt es momentan keinen großen Sanierungsbedarf«, sagte ein Sprecher des Landesdenkmalamts in Weimar. Auch die jüdische Landesgemeinde schätzt die Lage positiv ein. »Vor allem in Suhl, Nordhausen, Plaue, Arnstadt, Schmalkalden, Meiningen und Heiligenstadt haben die Kommunen vieles darüber hinaus getan, was unbedingt sein musste«, sagte Schramm.

An vielen Orten würden die Friedhöfe als Teil des eigenen historischen Erbes angesehen und entsprechend behandelt. »Immerhin geht es dabei um Mitbürger, die die Städte nicht mehr haben, die aber die Orte mit aufgebaut haben«, sagte Schramm. Da es gerade bei jüdischen Friedhöfen keine Familien mehr gebe, die die Pflege übernehmen können, komme den Kommunen eine wichtige Rolle zu. Bis auf wenige Ausnahmen würden die meisten Gemeinden diese Aufgabe auch sehr ernst nehmen und gut ausfüllen. dpa/nd

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