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Ganz alter Hut

Silvia Ottow über den Ärztemangel

Geht es um einen Mangel an Ärzten, werden aus Ärztefunktionären und Krankenkassenchefs kalte Krieger. Sie bezichtigen sich gegenseitig der billigen Polemik oder Lüge, halten Zahlen für falsch und Behauptungen für unrealistisch. Es gibt immer mehr Ärzte und ihre Einkommen steigen, versuchen die einen den Ruf nach mehr Medizinern und mehr Geld für diese zu relativieren. Es werden auch mehr gebraucht, denn die Menschen werden älter, erwidern die anderen. Das geht seit mindestens einem Jahrzehnt so. Beobachter müssen den Eindruck bekommen, dass außer diesem Streit nichts passiert.

Ganz so ist es zum Glück nicht. In Niedersachsen versucht man es mit rollenden Arztpraxen, in Schleswig-Holstein mit der Anstellung von jungen Ärzten, damit sie sich nicht so verschulden müssen; in Sachsen gibt es Geld, wenn die Studenten sich verpflichten, nach dem Studium als Hausarzt anzufangen. In Mecklenburg-Vorpommern wirbt man um Kollegen aus Polen und fast bundesweit entstehen Praxisgemeinschaften oder Versorgungszentren, die Kräfte bündeln. Dennoch ist wohl der Tag in weiter Ferne, an dem Ärzte, Kassen und Politik aus diesen vereinzelten Versuchen ein gemeinsames Programm einer besseren ärztlichen Versorgung entwickeln. Das ist außerordentlich bedauerlich, denn es heißt ja nichts anderes, als das alle ihre alten Hüte aufbehalten. Ärzte sind allzu oft an lukrativen Arbeitsplätzen und steigender Vergütung interessiert, Krankenkassen wollen ihre Ausgaben drosseln, die Politik will ihre Lobbyisten nicht verärgern. Da geraten die unterversorgte Küstenregion oder die unbesetzte Hausarztpraxis an der polnischen Grenze schnell aus dem Blick.

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