Diekmanns Dreifaltigkeit

Ankläger, Richter, Vollstrecker: Welche Rollen sich »Bild«-Zeitung und andere Medien im Fall Wulff anmaßten

  • Von Tobias Riegel
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Die Berichterstattung über den ehemaligen Bundespräsidenten glich einer Anti-Wulff-Kampagne. Eine solche Behandlung könnte ein Präzedenzfall gewesen sein und künftig auch andere Politiker treffen.

Es war eine Fortsetzungsgeschichte der entwürdigenden Art: Über Wochen stießen mutmaßlich Mitarbeiter der »Bild«-Zeitung Details eines Anrufs des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff auf die Mailbox des »Bild«-Chefs Kai Diekmann an andere Medien durch. Dass die Boulevardzeitung Wulffs selbstmörderischen Monolog (wenn überhaupt!) nicht zeitnah und vollständig veröffentlichte, sondern die Geschichte tröpfchenweise fütterte, ist nur eine der vielen bösen Facetten der Anti-Wulff-Kampagne des Springer-Konzerns.

Vor einigen Tagen erst präsentierte der Verlag den Mailbox-Text »neu vertont« bei »Bild«-TV. Es ist das Zeugnis eines Verzweifelten. Das letzte Japsen eines Fisches im Netz. Im Netz der Menschenfischer der »Bild«-Zeitung, die den in Bezug auf Korruption klitzekleinen Fisch Wulff zum großen Fang aufbliesen.

»Bestraft ist Christian Wulff im Übrigen schon längst genug«, schrieb Kai Dieckmann in einem »Bild«-Komment...

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