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Ein bisschen Aufklärung

Bericht zu Flaminia-Unglück: Vermutlich verursachte erhitzte Chemikalie Feuer

Das Feuer, das im Sommer 2012 auf dem Containerschiff Flaminia ausgebrochen war, ist wahrscheinlich durch eine erhitzte Chemikalie verursacht worden. Der Untersuchungsbericht liegt jetzt vor.

Als das ausgebrannte Schiff im September 2012 einen Notliegeplatz im niedersächsischen Wilhelmshaven erreicht hatte, brodelte die Gerüchteküche. Gefährliche Gifte sollte der unter deutscher Flagge fahrende Frachter geladen haben. Substanzen, die am 14. Juli im Atlantik knapp 1400 Kilometer vor Irland Feuer und Explosionen an Bord ausgelöst hatten. Drei Todesopfer waren zu beklagen. Was befand sich in den 2876 Containern? Diese Frage, die damals viele Menschen bewegte, wurde nicht beantwortet. Gefahrgut sei mit bei der Ladung gewesen, hieß es. Ab und an geisterte auch ein Chemikalienname durch die Medien, mehr nicht. Die Ladeliste sei interne Sache, beschieden offizielle Stellen.

Der Grund für die Geheimniskrämerei bleibt offen, denn: Der Bericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) zählt die Ladung auf, und nichts Spektakuläres, nichts zu Verbergendes ist dabei. Mit Katzenstreu und Kokosnüssen war die Flaminia an einem heißen Sommertag von der Ostküste der USA gestartet, mit Chilisauce, Bier und Baumwolle hatte sie sich in Charleston auf den Weg nach Belgien gemacht. Allerdings: Neben dieser und weiterer harmloser Fracht schipperte in 149 Containern auch Gefahrgut über den Ozean. Chemikalien, die unter ungünstigen Umständen, etwa bei hohen Temperaturen, Brände und Explosionen bewirken können.

Bei der Untersuchung, dokumentiert im 181 Seiten starken Bericht der Bundesstelle, nahmen die Experten mehrere mögliche Brandauslöser ins Visier, Haarspray ebenso wie Autopflegemittel und chemische Stoffe für die Industrie. Zugleich galt es zu klären, weshalb dem anfänglichen Schwelbrand eine gewaltige Explosion und ein ausgedehntes Feuer folgten. War durch chemische Reaktionen hoch brisantes Gas entstanden? Mehrere Gutachten wurden ausgewertet. Die BSU folgert aus ihnen, dass vermutlich die Chemikalie Divenylbenzol das Unglück verursacht hat. Sie war in ihren Tanks wahrscheinlich Temperaturen von über 30 Grad ausgesetzt. Die Flüssigkeit wird vor allem in der Kunststoffproduktion verwendet. Ob sie tatsächlich für das Geschehen auf der Flaminia verantwortlich war, bleibt im Dunklen. Laut Untersuchungsbericht haben es »die Vielzahl an gefährlichen Gütern« und der Zustand des Laderaums nach der Explosion nicht erlaubt, »eine alleinige Ursache für die Brandentstehung festzustellen«.

Ausgiebig hat sich die BSU dem Problem der Flaminia und ihrer Schleppschiffe gewidmet, einen Notliegehafen zu finden. Die Küstenstaaten mochten sich mit dem Gedanken, einen mit Gefahrgut beladenen Frachter aufzunehmen, nicht anfreunden. Deutschland erbarmte sich schließlich des »Giftschiffes«, ließ es im kurz vor der Eröffnung stehenden Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven ankern.

Wie bereits der niedersächsische Landtag, so fordert auch die BSU angesichts des Flaminia-Unglücks ein verbessertes, vor allem einheitliches Havarie-Management durch Richtlinien der Europäischen Union. Die Bundesstelle warnt davor, dass sich die für einen Notliegeplatz in Betracht kommenden Mitgliedsstaaten im Ernstfall »gegenseitig den Schwarzen Peter zuspielen«.

Mittlerweile hat die Flaminia in Rumänien im Hafen von Mangalia festgemacht. Dort wird in einer Werft der Mittelteil des Schiffes herausgeschnitten und ersetzt. Im Sommer, so ist geplant. heißt es für den Frachter wieder »Leinen los«.

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