Werbung

Haitianer wehren sich gegen Vertreibung von der Kuhinsel

Regierung will die Bauern vertreiben, um profitträchtige Ferienanlagen zu bauen

  • Von Hans-Ulrich Dillmann, Santo Domingo
  • Lesedauer: 3 Min.
Die haitianische Regierung will die Bauern von der Kuhinsel vertreiben - für Geld bringende Ferienanlagen. Dagegen regt sich der Protest der Bewohner.

Marc Lainé Donald ist sauer. Der Vorsitzende der Organisation Gemeinschaft der Bauern der Insel Île à Vache (KOPI), im Südwesten von Haiti, soll demnächst von der Insel verschwinden. Sein Haus soll, wie viele andere auch, abgerissen und einem Ferienresort weichen, das ausländische Investoren bauen wollen. So jedenfalls plant es die haitianische Regierung. Und das Recht ist auf ihrer Seite, seit das Parlament in der Hauptstadt mit Mehrheit eine Gesetzesnovelle beschlossen und das Archipel zur Urlaubszone umgewidmet hat.

Misthaufen, Rinder und Schweinegeruch stören Karibikreisende. Die Kuhinsel soll Haitis Vorzeigeprojekt in Sachen Tourismus werden. Und um die widerspenstigen Bauern Mores zu lehren, hat der Ministerpräsident Laurent Lamothe Einheiten der Aufruhrpolizei auf die Insel übersetzen und Proteste gegen die Ferienanlagen gewaltsam auseinanderprügeln lassen.

Fast jeden Tag ziehen inzwischen Mitglieder von Konbit Peyizan Ilavach über die Insel, um ihre Rechte als Bauern einzuklagen. Ausgerüstet mit Palmzweigen und Ästen mit grünen Blättern fordern sie friedlich ihre Recht ein - und die Polizei antwortet mit Knüppeln, Tränengas und Gummigeschossen.

Mit viel Pomp hat Lamothe zur Beruhigung der Bevölkerung ein Gemeindezentrum, ein Restaurant und eine Radiostation eingeweiht. Nur leider im Westen der Insel, während die Mehrheit der Bevölkerung im Osten wohnt, genau dort, wo die Ferienanlagen entstehen und die Bauern verschwinden sollen. »Diese Projekte gehen uns nichts an« sagt Marc Lainé Donald von KOPI, der haitianischen Nachrichtenagentur Alterpresse, während Lamothe und die Tourismusministerin Stephanie Balmir Villedrouin für die neue »Urlaubsdestination auf der Kuhinsel« werben. Die Bauern befürchten, dass sie dafür endgültig aus den angestammten Wohngebieten verschwinden sollen.

Die Bewohner auf der Insel stören bei dem Plan der haitianischen Regierung vor allem, das Armenhaus Lateinamerikas mit Hilfe ausländischer Touristen zu entwickeln. Derzeit verfügt Haiti nur über insgesamt 900 Gästezimmer. Ohne Rohstoffe setzt die neoliberale Machtelite unter Staatspräsident Michel Martelly auf die »kaminlose Industrie« und die ausländischen US-Dollars, die den defizitären Staatshaushalt sanieren sollen. Weitere Regionen im Süden bei Jacmel und um die nördliche Hafenstadt Cap-Haïtien stehen auch auf der Liste mögliche Touristenzentren.

Landwirtschaftsbetriebe sind nicht gerade die richtige Umgebung für Eleganz und Exklusivität an Badestrände von Hotels, die sich auf einkommenskräftige Klientel spezialisiert haben. »Île à Vache ist ein verborgener Schatz« wirbt das Tourismusministerium für die Kuhinsel bei ausländischen Anlegern und Touristen, die schon jetzt in zwei sehr kleinen und in die bäuerliche Struktur eingebetteten Hotelanlagen Ferien machen können.

Die Bauern fordern die Rücknahme des Erlasses vom 10. Mai 2013, der einen Großteil der Insel zum Tourismusentwicklungsgebiet erklärt und ihren die landwirtschaftliche Nutzung verboten hat. »Der Plan ist makaber, denn er nimmt uns das Recht, auf der Insel zu bauen und enteignet uns«, klagt Donald Marc Lainé. Generell haben Lainé und die KOPI nämlich nichts gegen neue Einnahmequellen und Tourismus. Nur wollen sie auch was daran verdienen. »Wir wollen in die Entwicklung integriert und nicht vertrieben werden, damit ausländische Investoren Geld verdienen«, sagte Lainé.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln