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Rekordhalter

Andrus Ansip tritt nach neun Amtsjahren als Regierungschef Estlands zurück.

  • Von Thomas Mell, Tallinn
  • Lesedauer: 2 Min.

Neun Jahre war er Estlands Ministerpräsident, zuletzt durfte er sich sogar rühmen, der dienstälteste Regierungschef in der Europäischen Union zu sein, doch für den heutigen 4. März hat Andrus Ansip seinen Amtsverzicht angekündigt.

Der heute 57-jährige Politiker war noch Bürgermeister seiner Heimatstadt Tartu, als die baltische Republik im Jahre 2004 in die EU aufgenommen wurde. In Estlands zweitgrößter Stadt hatte Ansip einst auch sein Chemiediplom erworben und in den 80er Jahren seine politische Karriere in den Strukturen der KPdSU begonnen.

Im unabhängigen Estland trat Ansip 1994 der liberalen Reformpartei bei. Als deren langjähriger Vorsitzender Siim Kallas zum EU-Kommissar in Brüssel berufen wurde, übernahm er die Parteiführung, wurde im Herbst 2004 Wirtschaftsminister und nur ein halbes Jahr später Regierungschef in Tallinn.

Ansips lange Amtszeit ist von einigen Aufregern gekennzeichnet. Da war die Sache mit dem Bronzesoldaten, einem Denkmal für gefallene Soldaten der Roten Armee, das die Regierung 2007 aus dem Zentrum Tallinns auf einen Militärfriedhof versetzen ließ. Das sorgte für Unmut bei der russischsprachigen Minderheit und löste die heftigsten Zusammenstöße in Estlands jüngerer Geschichte aus. Ansip steuerte das Land auf hartem Sparkurs durch die Wirtschaftskrise und 2011 in die Eurozone. Trotz hoher Arbeitslosigkeit blieben die Wähler den Regierungsparteien treu. Mittlerweile liegt Estland mit seinem Wirtschaftswachstum in der Spitzengruppe der EU.

Ansips Rücktritt ist indes kein Rückzug aus der Politik. Medien berichten vielmehr von einem Ämtertausch: Kallas kehre aus Brüssel zurück an die Partei- und Regierungsspitze, Ansip übernehme dafür den Posten in der EU-Kommission. Er selbst will sich noch nicht festlegen. Der Hobby-Skilangläufer weiß um Hindernisse: Es kriselt im Regierungsbündnis mit den Konservativen, und wegen hausgemachter Skandale könnte seine Partei bei den Wahlen 2015 auf die Oppositionsbank verwiesen werden.

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