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Begehrtes Hafenrevier

Kulturprojekt in Bremen findet trotz Geld keine Räumlichkeiten

  • Von Alice Bachmann, Bremen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bremen prosperiert, oder wie es der grüne Senator für Umwelt, Verkehr und Bau, Joachim Lohse, kürzlich ausdrückte: Die Hansestadt gehört zu den wirtschaftlich besonders dynamischen Regionen. Daraus folgt, dass Bremen auch als Wohnort begehrt ist, weshalb in den kommenden sechs Jahren zusätzlich 10 000 Wohnungen gebaut werden sollen. In einem City-nahen Bereich gibt es noch Spielraum. Der stillgelegte Überseehafen, »Überseestadt« genannt, bietet Flächen. Die wecken allerdings Begehrlichkeiten nicht nur bei Wohnungsbauunternehmen.

Im traditionellen Gewerbe- und Industriestandort mit noch alten Speicherhäusern werden die Reviere abgesteckt. Wo soll gewohnt, wo darf Gewerbe getrieben werden, und wo sollen Lagerstätten erhalten bleiben? Hinten herunter fallen die, die zuerst den dezent morbiden Charme des verfallenden Hafenreviers entdeckten, billige, unwohnliche Flächen anmieteten, um dort Ateliers, Probenräume und auch Wohnstätten einzurichten.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch das »Zuckerwerk«. Eine Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Räume für Austausch zwischen KünstlerInnen, für soziales Engagement und politische Aktionen zu schaffen. Ein Subkulturzentrum soll entstehen, nachdem es bereits fünf Jahre lang in Bremen den »Zucker Club« gab, der vor zwei Jahren schließen musste. Der Club wurde vornehmlich von freien Kollektiven aus der Szene der elektronischen Musik genutzt. Die »ZuckerwerklerInnen« sehen sich in der Tradition der 68er-Bewegung, die die Kunst- und Kulturszene aufmischte und politisierte.

Seit über zwei Jahren ist das »Zuckerwerk« schon auf Raumsuche. Dabei hat die Initiative nicht einmal das Problem der meisten subkulturell arbeitenden Gruppen: Es fehlt nicht an Geld. Was allerdings relativ ist. Durch einen Gewinn in einem Wettbewerb zur Förderung der Kreativwirtschaft stehen 100 000 Euro bereit, die das »Zuckerwerk« für die Herrichtung einer Immobilie abrufen kann.

Die Summe reicht nicht für einen Neubau eines Kulturzentrums, könnte aber reichen für den Umbau eines leerstehenden Gewerbegebäudes, das der öffentlichen Hand gehört und die klangvolle Adresse »Holzhafen 21« hat. Die erfüllt nämlich eines der wichtigsten Suchkriterien: keine Wohnbebauung in der Nachbarschaft. Doch gerade die Nachbarschaft macht nun Probleme. Der Bau steht direkt am Hafenbecken inmitten eines der letzten zusammenhängenden Industriebereiche in der Bremer »Überseestadt«. Mit dem Einzug des Kulturprojekts fürchten die Nachbarn wie etwa die »Roland Mühle« von der Subkultur aus dem angestammten Revier vertrieben zu werden.

Die »Roland Mühle« ist ein Familienbetrieb, der dort seit rund 100 Jahren »Roland Mehl« produziert. Etwa 360 000 Tonnen Getreide werden jährlich von den gut 100 Angestellten verarbeitet und zumeist per Schiff in die ganze Welt geliefert.

Den schwarzen Peter hält bei diesem Dilemma die Bremer Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFB) in Händen. Denn die ist sowohl für die Vermarktung der Immobilie »Holzhafen 21« zuständig, als auch für die Förderung des »Zuckerwerks« als vielversprechendem Teil der aufstrebenden Kreativwirtschaft. Das »Zuckerwerk« hat es nun bis in die Bürgerschaft geschafft, die die WFB beauftragt hat, dem »Zuckerwerk«, das schon 50 vergebliche Versuche hinter sich hat, zu einer neuen Heimat zu verhelfen.

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