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Lanz und Sarrazin

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Vergangenen Sonntag wollten Redakteure des Magazins »Cicero« mit dem ehemaligen Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) am Berliner Ensemble (BE) über dessen jüngst erschienenes Buch »Der neue Tugendterror« diskutieren. Daraus wurde nichts. Vor dem Brecht-Theater protestierten Sarrazin-Gegner und im Saal verhinderten Demonstranten den Auftritt Sarrazins, der in seinem Buch u.a. eine Meinungsführerschaft des linken politischen Milieus behauptet, durch das abweichende Positionen in der Öffentlichkeit ausgegrenzt würden. Beim feministischen Gemeinschaftsblog Mädchenmannschaft (maedchenmannschaft.net) gibt es »Applaus für die Demonstrant_innen gegen #TerrorThilo«.

Ganz anders sehen das die Organisatoren der Veranstaltung. Alexander Marguier, stellvertretender Chefredakteur des »Cicero«, schreibt auf cicero.de: »Der Sieg der Demonstranten ist ein Triumph der Denkfaulheit. Herzlichen Glückwunsch auch deshalb, weil die Randalierer mit ihrer Aktion im traditionsreichen Berliner Brecht-Theater die Thesen des Gesprächsgastes bestätigt haben. Wir wollten nämlich mit Thilo Sarrazin über dessen neues Buch reden, in dem er einen angeblich linken «Tugendterror» in diesem Land beklagt, der die Urheber missliebiger Ansichten mundtot zu machen versuche. Um es gleich klarzustellen: Ich teile Sarrazins Ansichten größtenteils nicht, auch nicht nach den gestrigen Vorfällen. Aber ich kann verstehen, dass jemand, der permanent solche Angriffe über sich ergehen lassen muss, auf den Gedanken kommt, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung nur eingeschränkt gilt (...) Eine Diskussion über Meinungsfreiheit zu verhindern, weil einem die Meinung eines der Beteiligten nicht passt, darauf muss man erst einmal kommen.«

Auch Claus Peymann, als Intendant des Brecht-Theaters Hausherr des BE, sagt in einem Interview auf welt.de, Sarrazin sei zwar »irgendwie ein Spinner und nicht ganz frei von einer gewissen konfusen Logik«, aber man müsse »die Auseinandersetzung mit so einem Menschen suchen. In der Hinsicht bin ich kein Paradedeutscher: Ich bin gegen Verbieten, Verschweigen, Vergessen, Vorverurteilungen (...) Wir Deutschen neigen dazu, zu sagen: Was uns nicht gefällt, gibt es auch nicht. Aber Sarrazin gibt es. Daher habe ich mich gefreut, dass das Magazin Cicero auf die Idee kam, mit ihm im BE ein Gespräch zu führen.«

So einfach mögen viele Peymann und »Cicero« indes nicht aus der Verantwortung entlassen. Der Soziologe Kyrosch Alidusti macht in seinem Weblog kultgenosse.wordpress.com darauf aufmerksam, dass Medien einen öffentlichen Diskurs gezielt oder ungezielt vorbereiten. »Das Problem bei diesem Diskurs, den Sarrazin in ›Der neue Tugendterror‹ aufgenommen hat, ist, dass er der landläufigen Meinung recht gibt, zumal, wenn die Medien das Buch kritisieren (...) Wer hat nicht schon über linksliberale Lehrer, linke Hochschullehrer und linke Journalisten gelesen, die angeblich ihre Institutionen oder gar die Gesellschaft dominieren? Und ich frage mich regelmäßig, wo sind sie denn? Die Schwierigkeit an der jetzigen Debatte ist, dass die Medien sie selbst anschlussfähig gemacht haben. In diesen Diskurs gehört auch der um die Political Correctness.« Die Medien, so Alidusti weiter, dürften andererseits nicht ignorieren, dass in großen Teilen der Gesellschaft das »Misstrauen gegenüber Medienmachern« gewachsen sei. »Ein Umstand, der zu denken geben sollte, vor allem, weil die hier aufgeführte konservative Spielart des Medienmisstrauens von der politisch anderen Seite nicht wesentlich anders ausschaut (Lanz-Debatte).«

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