Weltgewicht und Selbstsuche

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird an diesem Donnerstag zum zehnten Mal vergeben, da werden die berühmten Alten von Enzensberger bis Walser inzwischen die Hoffnung aufgegeben haben, dass sie überhaupt damit gemeint sein könnten. Der Belletristik-Preis ist dafür da, jüngeren Autorinnen und Autoren einen Anstoß in die Zukunft zu geben - solchen, die Talent haben, aber in der Masse der Literaten untergehen würden. Vornehmlich vor dem Hintergrund dieser Masse ist der ganze Rummel zu verstehen - als Marketinginstrument, aber auch als trotzige Geste.

Absatzzahlen und literarischer Wert sind bekanntlich zweierlei. Mit den Preisverleihungen in Leipzig und Frankfurt (Main) soll Qualität zum Verkaufserfolg gebracht werden. Ob die Jury eine andere Wahl hätte treffen können - die Frage ist müßig, es sind immer subjektive Entscheidungen. Die Nominierten: Vier Junge und ein Älterer, vier Männer und nur eine Frau, niemand aus dem ostdeutschen Raum dabei, aber auch keiner aus der Schweiz oder aus Österreich - es ist, wie es ist, wo käme man hin, wenn eine Jury Quoten zu beachten hätte. Allerdings darf man schon monieren, dass in der siebenköpfigen Jury - gerade in Leipzig - niemand aus den »neuen Bundesländern« ist.

Gegen das Ergebnis der Arbeit spricht das nicht. Die Nominierungen im belletristischen Bereich führen vor Augen, wie sich die deutsche Literatur durch Stimmen aus Osteuropa bereichert, wie ihr diese anderen Erfahrungswelten und Sichten zugute kommen, auch wenn Autoren - siehe Saša Stanišić - Themen hierzulande finden. Mehr Weltgewicht, was aber nicht gegen Selbstsuche spricht, die nun mal zu großer Literatur gehört. Eine Geschichte, die den Autor umtreibt, kann auch Leser bewegen, was man am Roman von Katja Petrowskaja erleben kann. Beim Onlinevoting für den Publikumspreis liegt der Jüngste ganz weit vorn: Fabian Hischmann, Jahrgang 1983. Hat da der großartige Martin Mosebach mit seinen 62 Jahren überhaupt eine Chance auf den Preis?

Ab 16 Uhr wird man es erfahren.

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