Tore vom Reißbrett

Salzburg betrachtet das Alpenderby in der Europa League gegen Basel als Meilenstein

In der Europa League duellieren sich der schweizerische Serienmeister FC Basel und der österreichische Branchenführer RB Salzburg - eine doppelt reizvolle Begegnung.

So ein bisschen Folklore kann bei einem derartigen Fußballspiel nicht schaden. Also setzen die PR-Strategen des österreichischen Getränkegiganten Red Bull heute am Bahnhof Salzburg-Europapark einen speziellen Sonderzug mit einer Lok auf die Schienen, die in den Vereinsfarben gehalten rund 400 Anhänger nach Basel bringen soll. Dort steigt im St. Jakob-Park ein Europa-League-Achtelfinale, das es in dieser Konstellation noch nicht gegeben hat: Der Schweizer Serienmeister FC Basel erwartet den österreichischen Branchenführer RB Salzburg.

Die einen sind ihrer Super League so weit entrückt, dass sie sich fast nur noch selber schlagen können, die anderen haben in der österreichischen Bundesliga 25 Punkte zwischen sich und die Konkurrenz gelegt. »Beide Klubs bestimmen das Geschehen in einer sehr kleinen Liga«, sagt Ralf Rangnick, der für die Fußball-Standorte Salzburg und Leipzig zuständige Sportdirektor von Red Bull. Der 55-Jährige spricht jetzt vom »Alpenderby«, in dem es wegen der UEFA-Fünfjahreswertung um viel gehe. »Wenn wir gegen Basel weiterkommen, kann Österreich die Schweiz überholen und der österreichische Meister könnte sich im übernächsten Jahr direkt für die Champions League qualifizieren«, rechnet Rangnick vor. »Das wäre natürlich ein Meilenstein.«

Basel sei das beste Beispiel, nicht nur national zu dominieren, sondern auch international zu reüssieren. »Ich bewundere die dortige Arbeit«, lobt der zwischen seinem Heimatort Backnang, Leipzig und Salzburg pendelnde Rangnick in Richtung der in den vergangenen sechs Jahren mit drei Champions-League-Teilnahmen verwöhnten Eidgenossen, die zudem im Vorjahr das Halbfinale der Europa League erreichten. Die Mozartstadt scheiterte hingegen selbst mit renommierten Fußballlehrern wie Giovanni Trapattoni oder Huub Stevens daran, die Qualifikation zur Champions League zu überstehen. Der Höhepunkt dieser Pleitenserie ereignete sich im Juli 2012, als F 91 Düdelingen aus Luxemburg die Bullen auf die Hörner nahm - schlechter hätte die Amtszeit des aus Paderborn verpflichten Trainers Roger Schmidt und des damals aus der selbstgewählten Auszeit kommenden Rangnick nicht beginnen können.

Doch in dem Aus lag auch etwas Gutes: Schnell machte sich die sportliche Leitungsebene daran, die vielen Altstars durch willige, wenn auch nicht ganz billige Talente zu ersetzen. Die damals investierte Summe - geschätzte 17 Millionen Euro - hat sich mehr als amortisiert. »Dieser körperliche Fußball mit hoher läuferischer Leistung und deutlich mehr Geschwindigkeit lässt sich eben besser mit jüngeren Kräften spielen«, erzählt Rangnick und erklärt, dass Spieler wie Kevin Kampl oder Stefan Ilsanker mittlerweile hohe Marktwerte hätten.

Das seitdem im Durchschnittsalter um vier Jahre verjüngte Salzburger Ensemble stürmte in dieser Saison durch die Europa-League-Gruppenphase und eliminierte in der Zwischenrunde Ajax Amsterdam gleich mit 3:0 und 3:1, wobei jene reißbrettartigen Schachzüge zur Anwendung kamen, die Rangnick ein Jahr zuvor bei einer Düsseldorfer Sportbusinessmesse als Ideal im Video vorgeführt hatte. »Ajax hatte trotz 60 Prozent Ballbesitz eigentlich nie eine Chance gegen uns«, urteilt der Projektleiter stolz, der Salzburg dauerhaft in der Königsklasse verankern und dabei attraktive Unterhaltung bieten will.

Die Warnung ist bei Basels Trainer Murat Yakin angekommen. »Salzburg spielt bisher eine sehr überzeugende Saison, bei der das Pressing besonders zu beachten ist«, sagt der ehemalige Bundesligaspieler, der auf die Erfahrung von Akteuren wie dem ehemaligen Stuttgarter Marco Streller setzt. Rangnick hält mit dem Heimvorteil in einer Woche dagegen: »Was mich gegen Ajax noch mehr beeindruckt hat, war die besondere Atmosphäre im Stadion, die - wie ich mir habe sagen lassen - in Salzburg noch nie so gut war. Das geht nicht nur mit einem klaren Plan, sondern mit Teamspirit, Lust und Leidenschaft, die auch die Fans begeistern.« Die These lässt sich zumindest damit unterfüttern, dass es keine fünf Stunden dauerte, da waren die knapp 30 000 Karten für das Rückspiel in der »Red Bull Arena« weg. Im »Joggeli« zu Basel dürften hingegen heute etliche Plätze frei bleiben: Der Hausherr rechnet lediglich mit 14 000 Besuchern - die Gäste vom Salzburger Sonderzug mitgerechnet.

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