Mit Hoeneß zittert auch der FC Bayern

Verteidigung baut bis zuletzt auf Strafbefreiung

Zunächst schienen immer neue, höhere Steuerschulden, die Uli Hoeneß in den Jahren 2003 bis 2009 aufgehäuft hatte, das für den heutigen Donnerstag geplante Urteil unmöglich zu machen. Doch nachdem die Staatsanwaltschaft noch kurz vor dem Prozess eingereichte Daten der Verteidigung gesichtet hatte und Hoeneß die danach bekannt gegebene Summe von 27,2 Millionen Euro Steuerschuld akzeptierte, geht es nun offenbar ganz schnell. Das Münchner Landgericht wird wahrscheinlich wie geplant heute ein Urteil verkünden.

Dabei geht es um die Frage, ob sich Hoeneß mit seiner Selbstanzeige vor Strafe gerettet hat. Bedingung wäre die Freiwilligkeit der Selbstanzeige. Erfolgte diese hingegen unter dem Druck einer absehbaren Strafverfolgung, könnte sich Hoeneß nicht darauf berufen. Für die Staatsanwaltschaft ist die Sache klar: Allein die Tatsache, dass die bekannt gewordene Steuerschuld sich an jedem Prozesstag seit Eröffnung am Montag erhöhte, spricht gegen eine freiwillige Entscheidung von Hoeneß. Die Neuberechnung seiner Steuern aufgrund der neu eingereichten Unterlagen für die Jahre 2003 bis 2006 ergab eine Steuerschuld von 23,7 Millionen Euro. Mit den bereits in der Anklage aufgeführten 3,5 Millionen Euro aus Kapitalerträgen für die Jahre 2007 bis 2009 kommt der stolze Betrag von 27,2 Millionen Euro Steuerschuld zusammen.

Nach den Plädoyers am Morgen muss Hoeneß mit der Verkündung einer Gefängnisstrafe rechnen. »Wenn es zu einer Verurteilung kommt, dann wird auch die Summe der hinterzogenen Steuern eine Rolle spielen«, machte Gerichtssprecherin Andrea Titz klar. Hoeneß' Verteidiger halten die Selbstanzeige ihres Mandanten vom 18. Januar 2013 hingegen nach wie vor für wirksam.

Der Prozess hat die Debatten über den Sinn einer strafbefreienden Selbstanzeige über den Fall Hoeneß hinaus angefacht. Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) machte unter dem Beifall des DGB inzwischen den Vorschlag, Steuerbetrügern die Möglichkeit einer Strafbefreiung auf diesem Weg zu nehmen und damit »Hintertürchen« für Steuersünder zu schließen. Nach Schätzungen der Steuergewerkschaft gehen dem Staat jedes Jahr etwa 30 Milliarden Euro verloren, weil bei der Steuer getrickst wird.

Zwei Drittel der Deutschen fordern einer Umfrage zufolge mittlerweile den sofortigen Rücktritt von Hoeneß als FC-Bayern-Präsident. Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger sagte der »Rheinischen Post«, Hoeneß habe Steuern in einem unvorstellbaren Ausmaß hinterzogen und könne »keinesfalls weiter an der Spitze des FC Bayern bleiben. Ehrlich machen, heißt zurücktreten.«

Auch die Kritik am abwartenden Verhalten des Fußballklubs selbst wird nun lauter. Im Aufsichtsrat des FC Bayern »sitzen praktisch nur Sponsoren drin, die Verträge mit der Bayern AG haben. Die haben Angst um ihr Geld und dass die Fangemeinde sie boykottiert«, sagte der Münchner Unternehmensexperte Manuel René Theisen der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. »Keiner will Hoeneß zu früh fallen lassen. Das ist die blanke Angst.«

Hoeneß selbst hält angeblich an einer Klage fest, die er gegen das Magazin »Stern« führt. Das berichtete im August 2013, dass sich die Summe auf Hoeneß' Schweizer Konten auf rund 500 Millionen Schweizer Franken belief. Dabei hatte Hoeneß im Strafprozess geäußert, er habe damals keinen Überblick über Gewinne und Verluste gehabt. Mit Agenturen

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