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Afghanistans unsichere Perspektiven

Martin Ling über die Tücken des Rohstoffreichtums

Sie stehen im Zentrum der Interessen des Nordens: Afghanistans Rohstoffe. Laut einer US-Studie beläuft sich der Wert der noch unerschlossenen Rohstoffe auf eine Billion Dollar, laut Schätzungen der afghanischen Regierung sogar auf drei Billionen Dollar.

Was sich nach einer verlockenden Entwicklungsperspektive für Afghanistan anhört, birgt gewaltige Sprengkraft in sich: Kaum ein rohstoffreiches Entwicklungsland in der Welt vermochte bisher, seinen Rohstoffreichtum zum Wohle der allgemeinen Bevölkerung umzumünzen. Dieses Phänomen wird als Ressourcenparadoxon beschrieben und besagt, dass ausgerechnet die Länder mit großen Vorkommen an Rohstoffen in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung häufig besonders schlecht abschneiden.

Im Norden wird das meist mit dem Verweis auf die schlechte Regierungsführung im Süden begründet. Das aber ist nur eine Seite der Medaille, die andere sind die rohstoffimportierenden Industrieländer, die sich keinen Deut um die Bedingungen in den Abbaugebieten kümmern: Arbeitsstandards, soziale Standards - egal, Hauptsache, die Rohstoffe sind billig zu kriegen.

Afghanistan hat viel zu bieten: Neben Erdgas, Öl, Kohle auch reiche Vorräte an Kupfer, Eisenerz, Gold, Edelsteinen und seltenen Erden. Stand jetzt spricht nichts dafür, dass es ausgerechnet in Afghanistan gelingt, das Ressourcenparadoxon zu durchbrechen. Denn eine Entwicklungspolitik, die die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung und der betroffenen Menschen in den Mittelpunkt stellt, ist nicht zu erkennen. Das ist ganz offensichtlich weder die Priorität der afghanischen Regierung noch der Geberstaaten aus dem Norden. Auch im Strategiepapier der Bundesregierung bleibt das ausgespart.

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