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Pflücken für den Weltmarkt

Proteste gegen Zwangsarbeit und Gentechnik im Baumwollanbau

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In Bremen startet am Mittwoch die 32. Internationale Baumwollkonferenz. Erstmals protestieren Nichtregierungsorganisationen vor Ort gegen Ausbeutung und Gentechnik in der Produktion.

Schon das Motto »Cotton for the people« steht bei den Nichtregierungsorganisationen in der Kritik. Denn obwohl rund 250 Millionen Menschen weltweit im Baumwollanbau arbeiten, kommen gerade sie bei der Fachkonferenz nicht vor. Stattdessen geht es um die Zusammenarbeit mit der Bekleidungsindustrie, allerdings auch hier nicht um die Arbeitsbedingungen in eben dieser.

In Usbekistan etwa werden Kinder und Erwachsene nach Angaben des Netzwerkes Inkota in der Erntezeit bis zu drei Monaten zur Baumwollernte gezwungen. Eine Arbeitswoche hat sieben Tage und die Pausenzeit an einem Arbeitstag geht gegen Null. Das Zwangsarbeitssystem der Regierung steht seit langem in der Kritik. Auf internationalen Druck hin setzt die usbekische Regierung nun zwar weniger Kinder ein. Die Zahl der mobilisierten Jugendlichen und Erwachsenen wurde dagegen drastisch erhöht und die Repressalien gegen diejenigen, die sich gegen diese Praxis zur Wehr setzen, sind stark ausgeweitet worden. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) konnte sich im vergangenen Jahr erstmals ein eigenes Bild machen, unterlag aber strengen Restriktionen seitens der Regierung. »Wir fordern einen ungehinderten Zugang für die ILO-Beobachter«, erklärt Berndt Hinzmann vom Netzwerk Inkota gegenüber »nd«. Auch die Unternehmen sollten Verantwortung übernehmen. Sie müssten die Rückverfolgbarkeit gewährleisten, damit Verbraucher die Möglichkeit haben, ethisch korrekt einzukaufen. Zudem wollen die beteiligten Gruppen - neben Inkota rufen die Cotton Campain und die Kampagne für Saubere Kleidung zu den Protesten auf - auf die Politik Einfluss nehmen. Hinzmann verweist auf einen im Februar dieses Jahres geplanten Besuch des usbekischen Präsidenten in Prag. Nach Protesten von Menschenrechtsorganisationen verweigerten zahlreiche Minister ein Treffen mit Islam Karimov, der Besuch wurde abgesagt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Anbau gentechnisch veränderter Baumwolle. Besonders Indien als zweitgrößter Baumwollproduzent setzt auf Gentechnik, hier beträgt der Anteil rund 95 Prozent. Durch die Abhängigkeit vom Saatgut verschulden sich immer mehr Kleinbauern, die Selbstmordrate steigt. In Indien ist gentechnisch verändertes Saatgut teils viermal so teuer wie konventionelles. Die ohnehin armen Bauern müssen mehr Geld ins Saatgut investieren und die Schulden steigen, wenn die Ernte schlecht ausfällt. Die Abhängigkeit von Großkonzernen wird zudem verstärkt, weil Saatgut durch Lizenzverträge immer wieder nachgekauft werden muss und nicht aus der eigenen Ernte gewonnen werden kann. Zudem schadet der Einsatz von Pestiziden der Gesundheit der PflückerInnen massiv.

Auch die Baumwollwirtschaft beklagt steigende Produktionskosten. »Der teuerste Faktor ist die Chemie für den Anbau wie Pestizide und Herbizide sowie Düngemittel und auch genmodifiziertes Saatgut«, kritisiert Fritz Grobien. Der Präsident der Bremer Baumwollbörse setzt jedoch weiter auf Gentechnik und will die gestiegenen Kosten über Ertragssteigerungen kompensieren. In der Wissenschaft werde deshalb an trockenheitsresistenten sowie an schädlingsresistenten Sorten geforscht.

Für den Inkota-Vertreter ist das der falsche Weg. »Händler sollten keine gentechnisch verseuchten Fasern verwenden«, fordert Heinzmann. Eine Forderung, die angesichts der Zahlen schwierig ist. Obwohl leicht zurückgehend, beträgt der Anteil weltweit rund 70 Prozent. Dennoch sei es notwendig, die Perspektive auf Baumwolle ohne Gentechnik aufrecht zu erhalten, »denn die Abhängigkeit der Bauern von den Gentechnikkonzernen ist weiter real«, so Hinzmann.

So setzten immer mehr afrikanische Staaten auf die Produktion von Baumwolle, wo bereits heute die Existenz von rund 16 Millionen Bauern von dem Rohstoff abhängt. Bisher wird gentechnisch veränderte Baumwolle nach Angaben der Initiative »Cotton made in Africa« (CmiA) in Burkina Faso und Südafrika angebaut. Sie will nach eigenen Angaben auf Gentechnik verzichten. Wie die Debatte in der Zukunft gestaltet wird, ist allerdings offen, da sich, wie auch CmiA schreibt, »die Baumwollproduzenten von gentechnisch verändertem Saatgut erhebliche Verbesserungen in der Produktivität oder in der Schädlingsresistenz versprechen«.

Weiterer Kritikpunkt ist der »Wasserfußabdruck« von Baumwolle, also der gigantische Verbrauch sowie die Verschmutzung bei der Verarbeitung. »Baumwolle ist eine der durstigsten Pflanzen«, sagt Philipp Wagnitz von der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF), die zur Konferenz in Bremen eingeladen wurde.

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