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Die Goldmarie tritt ab

Mit Maria Höfl-Riesch verliert der Deutsche Skiverband die Athletin, die über Jahre hinweg Medaillen und Geld garantierte

  • Von Oliver Händler
  • Lesedauer: 4 Min.

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38 Tage nach ihrem letzten Olympiasieg hat Maria Höfl-Riesch ihre Karriere beendet. Für eine Abschiedstour fehlte die Motivation.

Maria Höfl-Riesch war nie eine, die nach Siegen wild im Zielraum herumspringt, doch wer sie nach ihrem olympischen Kombinationsgold in Sotschi beobachtete, ahnte schon, es würde ihr letztes sein. Kurz hob sie die Arme, dann sank sie schon dahin und kauerte sekundenlang im Schnee des Alpinzentrums von Rosa Chutor. Sie hatte es noch mal geschafft, doch nun schien alle Energie aus dem Körper heraus. 38 Tage später zog sie nun den logischen Schlussstrich: »Es fällt mir wahnsinnig schwer. Doch ich habe mich entschieden, dass ich jetzt meine Karriere beenden werde«, sagte die 29-Jährige in München.

Die Leidenschaft fürs Skifahren sei bis zum Ende da gewesen, doch Leidenschaft ist nicht Motivation. Nach zwei Goldmedaillen in Vancouver 2010 wollte sie noch einmal Gold vier Jahre später in Sotschi holen. »Das ist mir gelungen, und schon danach hatte ich das Gefühl, jetzt abtreten zu können.« Ein paar Wochen nahm sie sich noch Zeit, sie fuhr ein paar letzte Rennen im Weltcup, doch auch die Trainer des Deutschen Skiverbandes (DSV) konnten ihre Vorzeigeläuferin nicht mehr umstimmen.

Mit der gebürtigen Garmisch-Partenkirchnerin, die schon seit Jahren in Kitzbühel lebt, verliert der DSV nicht nur die einzige Athletin, die in allen Disziplinen um Siege mitfahren konnte, sondern auch seine Goldmarie in Sachen Marketing. Höfl-Riesch ist stets gut frisiert, schminkte sich sogar nach ihrem Goldlauf von Sotschi noch einmal, bevor sie zur Blumenzeremonie und dem folgenden Interviewmarathon antrat.

Jahrelang unterhielt die Immerlächelnde im Fernsehen und im Boulevard mit ihrer Freundschaft zur Konkurrentin Lindsey Vonn, Hochglanzbildern von ihrer Hochzeit oder der Inneneinrichtung ihrer Wohnung. Von lila Werbespots ganz zu schweigen. Der DSV wird hoffen, dass zumindest ihr männliches Pendant Felix Neureuther noch ein Jahr dranhängt, sonst dürften bald Einschaltquoten, dann Sendezeiten und schließlich Werbeeinnahmen einbrechen. Es dauerte acht Jahre bis der Verband nach dem Abgang der goldenen Generation Ertl-Gerg-Seizinger wieder Medaillen gewann. Ob Viktoria Rebensburg, Fritz Dopfer oder Stefan Luitz die Lücke nun schneller füllen, bleibt abzuwarten. Die Konstanz und Strahlkraft von Maria Höfl-Riesch kann keiner von ihnen ersetzen. »Das Skifahren war 15 Jahre lang mein kompletter Lebensinhalt«, sagte Höfl-Riesch. Man könnte auch behaupten, dass sie selbst fast ebenso lange der Hauptinhalt der deutschen Alpinabteilung war.

Angefangen hatte alles mit drei Medaillen bei den Juniorenweltmeisterschaften 2001. Ihre erste Weltcupabfahrt gewann sie 2004. Olympia 2006 verpasste die 21-jährige Riesch aber nach zwei Kreuzbandrissen. »Hätte mir damals jemand gesagt, dass alles noch vor mit liegt, hätte ich ihm nicht geglaubt. Der Weg zurück ist nie einfach, ich musste ihn zweimal gehen, doch dann durfte ich noch die größten Erfolge meiner Karriere feiern«, blickte Höfl-Riesch zurück. Drei Olympiasiege, sechs WM-Medaillen, davon zwei goldene, 27 Weltcupsiege, ein Gesamtweltcup und fünf Disziplinkugeln folgten. »Ich werde mit Freude und Stolz auf diese Zeit zurückblicken«, sagte Höfl-Riesch.

Vor einigen Monaten hatte sie noch über eine Abschiedssaison nachgedacht, wie sie Magdalena Neuner vor zwei Jahren absolviert hatte. Doch im Gegensatz zur Biathletin fehlt Höfl-Riesch die Heim-WM als Motivationshilfe. Die WM 2015 findet in Vail in den USA statt. Sich dafür noch einmal durch den Sommer zu quälen, schien kein prickelnder Gedanke zu sein. »Ich habe gemerkt, wie groß der Wunsch der Trainer war, dass ich noch ein Jahr dranhänge, doch ich denke: Es ist die richtige Entscheidung.«

Eine andere hatte auch niemand mehr erwartet, der die Schreie hörte, als sie in ihrem letzten Abfahrtsrennen das Verletzungspech doch wieder eingeholt hatte. Ein Sturz ins Fangnetz brachte ihr einen Muskelfaserbündelriss im Oberschenkel sowie eine immer noch schmerzhafte Kapselverletzung im Ellenbogen ein. »Das verheilt wieder«, sagte Höfl-Riesch, doch eine Abschiedstour beginnt man gern mit Urlaub in der Sonne, nicht mit einer Reha im Fitnessraum. Es mag die letzte Erinnerung daran gewesen sein, dass auch so ein Abschiedsjahr im Krankenhaus enden kann. Das hatte Maria Höfl-Riesch wirklich nicht mehr nötig.

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