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Paradies mit Schattenseiten

Auf Pirschfahrt mit Ranger Elvis durch den Krüger Nationalpark in Südafrika

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Der Tag im Krüger Nationalpark geht, eine nächtliche Safari beginnt.
Der Tag im Krüger Nationalpark geht, eine nächtliche Safari beginnt.

Es ist tiefe Nacht, als wir endlich im Camp ankommen. Keiner hatte gemerkt, wie die Zeit verflog, was bei einer Pirschfahrt durch den Krüger Nationalpark nun wirklich kein Wunder ist. Schon gar nicht mit einem Begleiter wie Elvis. Seit zwölf Jahren arbeitet er in dem bekanntesten südafrikanischen Nationalpark als Ranger. Wenn man ihn beobachtet, möchte man fast glauben, dass er jedes der Tiere persönlich kennt. Die Giraffe zum Beispiel, die gemächlich, fast zögerlich über die Straße läuft. Gerade noch war Elvis ganz entspannt, doch ihr nervöses Verhalten beunruhigt ihn. Suchend schaut er um sich. »Irgendwo muss es doch sein«, murmelt er vor sich hin. Dann endlich: Versteckt hinter einem Busch entdeckt er das wenige Tage alte Giraffenbaby. Auch dessen Mutter scheint erleichtert zu sein, als es plötzlich putzmunter aus dem Dickicht stolpert und uns mit seinen riesigen schwarzen Kulleraugen neugierig anschaut. »Schaut nur, wie hübsch es ist«, schwärmt Elvis und strahlt dabei übers ganze Gesicht, als wäre es sein eigenes Kind.

Elvis, Ranger im Krügerpark
Elvis, Ranger im Krügerpark

Ein bisschen sei es auch so, erzählt er später am Lagerfeuer, er liebe die Tiere wie seine eigene Familie, ein schöneres Leben, als hier mitten unter ihnen, könne er sich nicht vorstellen. Das sei auch ein Grund gewesen, gerade in diesem Camp zu arbeiten, und nicht irgendwo in einer schicken komfortablen Lodge mit allem Luxus.

Der fehlen in der Tat völlig im Buffalo Rock Tented Camp ganz im Südwesten des Nationalparks. Es hat acht kleine Zelte für je zwei Personen, eine Biotoilette und einen Lagerfeuerplatz. Strom, fließendes Wasser oder gar eine Klimaanlage sucht man vergebens. »Back to the roots« - hier nimmt man das wörtlich, es gibt kein Camp im Krügerpark, in dem man ursprünglicher wohnt als hier.

Was es normalen Mitteleuropäern nicht gerade leicht macht, entspannt einzuschlafen. Denn zwischen dem Bett und der Wildnis befindet sich nicht mehr als eine dünne Plane. Bei jedem Geräusch lauscht man angespannt in die Nacht: Vielleicht schleicht draußen gerade ein wildes Tier um das Zelt? Haben wir nicht ganz in der Nähe noch vor kurzer Zeit Elefanten gesehen? Und was war noch mal mit den Leoparden, die vor allem nachts auf Beutezug gehen? Die Gedanken malen beängstigende Bilder, die Stimmen aus dem Busch geben die passenden Töne dazu. Bis irgendwann die Müdigkeit über die Angst siegt. Das Rascheln hinterm Zelt - vielleicht eine riesige Schlange? - und das Gebrüll der Löwen, das dir gerade noch kalte Schauer über den Rücken laufen ließ, klingt zunehmend wie in Watte gepackt, ehe der gerade noch auf Flucht eingestellte Körper völlig vor dem Schlaf kapituliert.

Elvis weckt uns im Morgengrauen. Zu dieser frühen Stunde ist der Park besonders schön. »Mit einem bisschen Glück laufen uns die Big Five über den Weg«, verspricht der Ranger. Schnell eine Handvoll kaltes Wasser ins Gesicht und eine Tasse Tee zum Aufwärmen getrunken, dann ist die letzte Müdigkeit aus den Knochen verschwunden. Nichts kann uns mehr aufhalten, jeder möchte am Ende des Tages Löwe, Leopard, Büffel, Elefant und Nashorn als fotografische Trophäen auf der Speicherkarte wissen.

Erstmal aber gibt es eine Begegnung mit einem ganz anderen Parkbewohner. Selbst Elvis gluckst überrascht auf, als wir in nur etwa 20 Meter Entfernung einen Gepard entdecken, der wie ein Model auf einem Felsen liegt. »Diese schöne Katze sieht man nicht jeden Tag«, freut er sich. »In nur drei Sekunden kann sie von null auf 100 km/h beschleunigen, sie ist der Champion unter den Sprintern«. Zum Glück hat »unser« Gepard gerade null Bock, seine Sprintstärke zu demonstrieren, er scheint eher einen Wettbewerb um das schönste Fotomodell gewinnen zu wollen.

Je höher die Sonne steigt, desto mehr Buschbewohner laufen uns über den Weg - Impalas, Elefantenfamilien, Büffelherden, Giraffen. In den Baumkronen erwachen mal mehr, mal weniger lautstark zahlreiche Vogelarten, ein paar Hippos in einem See reißen ihr riesiges Maul auf. Irgendwie passt das Bild von der »Arche Noah«, das vom Krügerpark gern gezeichnet wird. 147 Säugetier-, 507 Vogel-, 114 Reptilien-, 49 Fisch- und 34 Amphibienarten leben in der rund 20 000 Quadratkilometer großen Schutzregion. Sie liegt im Nordosten Südafrikas und erstreckt sich über 350 Kilometer vom Crocodile-River im Süden bis zum Limpopo, dem Grenzfluss zu Mosambik, im Norden. Als Sabie Game Reserve wurde das Areal am 26. März 1898 zum Naturschutzgebiet erklärt. Paul Kruger, der Mann dessen Namen der Park heute trägt, indes hatte so gar nichts mit Naturschutz am Hut. Der Burenpräsident war begeisterter Großwildjäger. Geschickt nutzte der erste Parkranger James Stevenson-Hamilton jedoch Krugers Namen, um die bei den jagdlustigen Afrikanern höchst unpopuläre Etablierung eines Schutzgebietes zu ermöglichen. Nur so wurde es möglich, die wilden Tiere vor der Ausrottung zu retten, denn die Farmer sahen in ihnen nichts anders als lästige Futterkonkurrenten für ihre Rinder und ließen sie deshalb abknallen, wo immer sie ihnen über den Weg liefen.

Gut 100 Jahre später arbeiten fast 600 fest angestellte Ranger im Krüger Nationalpark, deren Aufgabe leider nicht in erster Linie darin besteht, mit Naturliebhabern auf Safari zu gehen. Allein 400 kümmern sich um nichts anderes als um Wilddiebe, die es vor allem auf Nashörner abgesehen haben. Pulver aus deren Horn gilt in vielen asiatischen Ländern als Wundermittel - gegen Potenzschwäche, auch gegen Krebs wird es empfohlen. Bis zu 60 000 Dollar kostet ein Kilo, mehr als Gold oder Kokain. Längst hat eine Mafia, die bis in höchste Kreise reicht, das Sagen. Um Mangel an Wilderernachwuchs muss sie sich keine Sorge machen, denn für umgerechnet 3000 Euro für ein Horn gehen viele junge arbeitslose Männer jedes Risiko ein, selbst um den Preis, erschossen zu werden. Bis zu 90 Prozent von ihnen kommen aus dem benachbarten Mosambik, wo Wilderei nach wie vor nicht als Verbrechen gilt und deshalb auch nicht geahndet wird. Im vergangenen Jahr wurden in Südafrika rund 850 Nashörner abgeschlachtet, 500 davon im Krüger Nationalpark. Inzwischen wird bereits laut darüber nachgedacht, den vor einigen Jahren auf einer Länge von 80 Kilometern entfernten Zaun des Nationalparks an der Grenze zu Mosambik wieder zu schließen. Die Zäune wurden Anfang des Jahrtausends niedergerissen, um durch den Zusammenschluss mit Schutzgebieten in Mosambik und Simbabwe die natürliche Wanderbewegung der Tiere zu erleichtern.

Während Elvis von dieser Schattenseite des Paradieses erzählt, beobachten wir ein junges Breitmaulnashorn, das nach einem morgendlichen Schlammbad tollpatschige Fitnessübungen an einem Baumstamm absolviert. Sehr lustig anzusehen, doch nach dem gerade Gehörten kreisen andere Gedanken durch den Kopf, und man fragt sich, wie lange man solche schönen Bilder noch zu sehen bekommt? - Denn wenn die Wilderei so weiter geht, warnen Tierschützer, wird es in 20 Jahren in Südafrika keine Nashörner mehr geben.

Infos

Touristische Infos:
www.dein-suedafrika.de oder unter (0800) 1189118 (kostenfrei)

Veranstalterreisen:
www.dein-suedafrika.de/reiseangebote; www.thomascook.de

Veranstalter vor Ort:
www.thompsonsafrica.com

Buffalo Rock Tented Camp:
www.krugertented.com

Literatur:
Reise-Handbuch »Südafrika«, DuMont Reiseverlag, 425 Seiten mit vielen Hintergrundinfos sowie Karten, 24,99€

Leserreise Südafrika erleben
Vom 8. bis 19.5.2014 gibt es eine nd-Leserreise, die auch in den Krüger Nationalpark führt. Infos und Buchung: www.neues-deutschland.de/leserreisen, Tel.: (030) 29 78 16-20, -21

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