Werbung

Altersforscher

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Leo Fischer war Chefredakteur des Nachrichtenmagazins »Titanic«. An dieser Stelle kümmert er sich 
vierzehntäglich um den 
liegen gelassenen Politikmüll und dessen sachgemäße Entsorgung

Sind Sie über hundert Jahre alt? Herzlichen Glückwunsch! Ihr Leben wird künftig so angenehm sein wie noch niemals zuvor. Keine Bevölkerungsgruppe wächst derzeit so schnell wie die der Hochbetagten, auch verfügt keine über einen derart hohen Anteil am Vermögen der Bevölkerung. Allein in Deutschland gibt es 17 000 Menschen über Hundert - anderswo auf der Welt sogar erheblich jüngere.

Zu diesem Ergebnis kommt die sogenannte Generali-Studie, die in Köln vorgestellt wurde. Diese neuen Hundertjährigen sind demnach jung wie nie, jünger jedenfalls als die sogenannten »jungen Alten«, die schon mit Anfang sechzig nichts mit sich anzufangen wissen und daher den lieben langen Tag den Kommentarbereich von Spiegel online vollspammen. Im Gegensatz zu den »jungen Alten«, so die Studie, sind diese »alten Alten« pfiffig, quirlig, ja direkt ausgefuchst; sie möchten »in der Familie mitwirken, Beziehungen zwischen den Generationen aufbauen, Vorurteile abbauen und die biografischen Erfahrungen abrufen« und ganz allgemein laut und krächzend darauf hinweisen, dass sie gefälligst auch noch da sind.

Moderne Hundertjährige von heute lieben das Risiko, nehmen auch mal eine zweite Natreenkapsel in den Blasentee und provozieren die Nachgeborenen mit politisch unbequemen Ansichten zu Elternschaft, Mutterkreuz und Rassenhygiene. Hundertjährige steigen aus dem Fenster und verschwinden; Hundertjährige verkleiden sich als Peter Scholl-Latour und sagen Dinge wie »ich kenne Assad, er ist ein Weichei«. Stundenlang hängen sie an den künstlichen Busbahnhöfen vor den Altersheimen ab, belästigen Siebzigjährige mit anzüglichen Bemerkungen (»geile Krinoline, Baby«) und telefonieren mit ihrem Freund Hein (Blöd).

Die Demografie spielt verrückt: Während die alten Alten sich jugendlich geben und die jungen Alten verzweifeln, schuften die jungen Jungen unter der Aufsicht der alten Jungen im Steinbruch der großen Alterspyramide von Gizeh - und fühlen sich am Abend tausend Jahre alt und älter. Denn auch das ist die paradoxe Konsequenz der Studie: Kaum ein Mensch weiß überhaupt noch, wie alt er ist!

Während sich die alten Alten verstärkt mit jungen Jungs austauschen wollen, der Fall Edathy hat’s gezeigt, hätten viele Mittdreißiger gerne den Lebensstil der Hundertjährigen alten Schlags: den ganzen Tag im Bett liegen, sich das Essen liefern lassen und ansonsten mitteilen, wie furchtbar alles ist. Bald werden Altersforscher hinzugezogen werden müssen, um überhaupt nur den Geburtstag einer Person zu bestimmen, und auch, ob man ihn feiert, begeht, ignoriert oder wieder feiert.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!