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Studentenleben im Offiziersklub

Die US-Army verlässt Schweinfurt - aber was tun mit 2800 Hektar Militärgelände?

  • Von Sebastian Kunigkeit, Schweinfurt
  • Lesedauer: 4 Min.
Der Abzug der US-Truppen ist eine Zäsur für Schweinfurt - und zugleich eine Chance. Denn Ideen für die Nutzung der Militärflächen gibt es genug. Doch was ist mit möglichen Altlasten?

Der letzte Garnisonskommandeur ist schon weg, und auch sonst stehen die Zeichen auf Abschied in den Schweinfurter US-Kasernen. Einst lebten etwa 12 000 amerikanische Soldaten und Angehörige in der unterfränkischen Industriestadt und rundherum, aktuell sind nur noch einige hundert Soldaten dort stationiert. In einem halben Jahr holt die US-Armee das Sternenbanner ein. Und für die Stadt im Norden Bayerns und ihre Nachbargemeinden stellt sich die Frage: Was tun mit den 2800 Hektar, bislang streng bewachtes Militärgelände, die nach dem Abzug frei werden?

Schweinfurt ist bei seinen Vorbereitungen recht weit gekommen, auch im Vergleich zu anderen Regionen, die vom Truppenabbau durch die USA in Europa betroffen sind. Trotzdem gibt es viele Fragezeichen.

»Natürlich ist das für Schweinfurt eine Zäsur«, betont der Oberbürgermeister der 53 000-Einwohner-Stadt, Sebastian Remelé (CSU), der bei der Kommunalwahl vor einigen Tagen klar im Amt bestätigt wurde. Vor zwei Jahren wurde der Abzug aus Schweinfurt und Bamberg verkündet. Die Schweinfurter Verwaltung hat geschätzt, was das für die heimische Wirtschaft bedeuten könnte: drei bis fünf Prozent Kaufkraftverlust im Einzelhandel. Die Stadtwerke könnten 2,2 Millionen Euro Umsatz verlieren, das Krankenhaus 1100 Privatpatienten.

In der Taxibranche seien die Umsätze bereits deutlich nach unten gegangen, erzählt Jürgen Bode von der Industrie- und Handelskammer. Im Gastgewerbe sehe es wohl ähnlich aus. »Ganz klar, es ist ein Einschnitt, weil wir vieles verlieren, was wir über Jahrzehnte lieb gewonnen haben.« Aber: »Jetzt gilt es, nicht den Kopf in den Sand zu stecken.« Die neuen Flächen böten auch Chancen.

Professor Robert Grebner hat da schon sehr genaue Vorstellungen. Der Präsident der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt hat es auf das frühere Offizierscasino Abrams Club und Teile einer Kaserne nahe der Innenstadt abgesehen. Wenn der Freistaat mitzieht, könnte dort der neue »i-Campus« entstehen, wo künftig bis zu 3000 Studierende Logistik und Wirtschaftsingenieurwesen lernen sollen.

Deutsche Studenten sollten so fitter für die Arbeit im Ausland werden und nebenbei Fachkräfte aus dem Ausland in die Region gebracht werden, erläutert Grebner. »Dann wäre auch der Stadt gedient. Ein Student lässt bis zu 10 000 Euro im Jahr in der Region.« Im Herbst soll es mit 100 Studenten losgehen, die Wirtschaft ist angetan.

Für die Zukunft der Wohnsiedlungen der Amerikaner in Schweinfurt sollen städtebauliche Wettbewerbe den Weg weisen. Die mit 200 Hektar größte Kaserne des Standorts, die »Conn-Barracks«, ist dagegen für einen Logistik- und Industriepark vorgesehen. »Man muss bedenken, dass da ganze Panzerdivisionen durch Europa transportiert worden sind. Da braucht man nicht viel Fantasie, um sich dort ein Logistikzentrum vorzustellen«, sagt Stadtchef Remelé. Die Kommunen, auf deren Gebiet das Gelände liegt, haben einen Zweckverband gegründet und zugesagt, bis 2015 Baurecht zu schaffen. Auch der Automobilzulieferer Schaeffler ist als Interessent im Gespräch.

Überhaupt sei das Interesse groß, sagt Hans Schnabel, bei der Stadt für die Umwandlung der Flächen zuständig. Eine Glaubensgemeinschaft interessierte sich für eine Kirche, eine Privatschule für ein Unterrichtsgebäude. Allerdings ist noch nicht klar, welche Gebäude letztlich erhalten werden sollen - um die Frage des Abrisses alter Wohnhäuser gab es im jüngsten Kommunalwahlkampf einen gewissen Wirbel.

Und die hehren Pläne können auch nicht alle gleich ab 1. Oktober in die Tat umgesetzt werden. Dann übernimmt nämlich zunächst ein »Closing Team« der Amerikaner. Es kann Monate dauern, bis die Flächen übergeben werden - an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Die vermarktet das Gelände, wobei die Kommunen ein Erstzugriffsrecht haben. Schweinfurt will Teile der US-Wohnsiedlungen kaufen und selbst entwickeln, »um das Heft in der Hand zu halten«, wie Schnabel sagt.

Eine große Unbekannte ist, welche möglichen Altlasten sich auf dem Gelände verbergen. Die US-Streitkräfte lißen eigentlich keine Bodenuntersuchungen auf ihrem Gelände zu, sagt Monika Maucher, Verkaufsleiterin für Süddeutschland bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Das kann erst nach der Übergabe geklärt werden.

Die offizielle Flaggenparade ist für den 19. September geplant. dpa/nd

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