Geheimnis und Seiltanz

Wird 80: Achim Freyer

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Da ist märchenhafter Trotz gegen das Faktische. Da schwebt die zarte Seifenblase gegen den Rationalismus der Formeln. Achim Freyer ist ein sanftmütiger, rauschebärtiger Erfinder von Menschenpuppen, Maskenwesen, Clowns. Mit ihm hat ein Maler die Bühnen erobert, umgarnt, hat die Verhältnisse des landläufigen Guckkastens zwischen Berlin und Los Angeles, Zürich und Wien, München und Moskau, Venedig und Warschau, Basel und Mannheim zum Tanzen gebracht. Der Berliner war Meisterschüler Brechts, lernte bei ihm den Eigensinn - den die DDR nicht aushielt. Der Bühnenbildner für Besson, Dresen, Berghaus verließ 1972 das Land. »Miserabilismus« warf ihm das dröge Richtertum vor. Seine Kunst war zu direkt ein manifestes Abgeschnittensein vom Erklärbaren. Die Kindlichkeit dieser Kunst war immer auch Impuls, sie misszuverstehen, sie als Fremdkörper zu betrachten. Das Lächeln in Freyers Werk weiß um die Kraft, die es kostet, heiter zu vereinsamen.

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