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Zweifel an Happy End für Schloss Kossenblatt

Der 88-jährige Schriftsteller Günter de Bruyn verarbeitete für sein neues Buch auch Jugenderinnerungen

Die Sätze bei Günter de Bruyn klingen wie eine düstere Weissagung. Eine neue glanzvolle Zukunft für Schloss Kossenblatt sieht er nicht.

Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) lebte zeitweilig in dem Barockensemble. Doch derzeit schläft Schloss Kossenblatt den Dornröschenschlaf - ungenutzt, als juristischer Streitfall. Neuen Glanz für das märkische Kleinod sieht der Brandenburger Schriftsteller Günter de Bruyn in absehbarer Zeit nicht. In seinem neuesten Buch »Kossenblatt. Das vergessene Königsschloss« muss er am Ende eingestehen, er könne dem Leser kein Happy End bieten. Seine Hoffnungen auf baldige Wiederbelebung des Gemäuers zu seinen Lebzeiten müsse er begraben, schreibt der 88-Jährige. »Von dieser Illusion gilt es Abschied zu nehmen.«

Um das einstige Residenzschloss in Ostbrandenburg, dessen Geschichte der Schriftsteller in seinem jüngsten Werk nachgeht, gibt es seit Jahren einen heftigen Justizstreit. Gerade hat des Landgericht Frankfurt (Oder) eine Lösung frühestens für den Sommer angekündigt. Die Besitzerin der Immobilie, die Schloss Kossenblatt GmbH, will den Kauf rückgängig machen und 240 000 Euro wiederhaben. Es geht um die Frage, ob ein Zugang zu dem Anwesen uneingeschränkt möglich ist oder nicht. Die Gemeinde Tauche (Oder-Spree) als Gegenseite sieht dies als gegeben an.

Der heute bei Beeskow lebende de Bruyn (»Buridans Esel«) hatte das Schlösschen und die Gegend als Jugendlicher bei Paddelboottouren erkundet. Er erinnert sich an Begegnungen mit Menschen, die ihn beeindruckten. Mit genauem Blick beobachtet er die märkische Landschaft im Jahresverlauf und offenbart dabei auch das eine oder andere Unerwartete. Schon Fontane war hier bei seinen »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« unterwegs. Für den Ort Kossenblatt und das Schloss fand er aber nicht so viele Worte. Offenbar war er nicht so fasziniert wie de Bruyn.

Diesem gelingt es, spannende und interessante Geschichten aus vermeintlich trockenen Archivakten auszugraben. Er durchforstete Kirchenbücher, sichtete Spuren von Zeitzeugen und zog seine Schriftstellerkollegen aus vergangenen Jahrhunderten zu Rate. Das Ergebnis: Ein spannendes Sittengemälde von historisch verbürgten Personen, die einst in der preußischen Provinz schalteten und walteten. Stück für Stück nimmt de Bruyn den Leser mit auf eine Reise durch die Vergangenheit. Adlige Familien werden der Vergessenheit entrissen. Ihr Leben mit Ränken, Ehebruch oder Erbschaftsstreitigkeiten würde eigentlich Stoff für einige Hollywoodfilme bieten.

Anfang des 13. Jahrhundert wurde Kossenblatt erstmals urkundlich erwähnt. Erst 1705 wurde der Grundstein für das Schloss gelegt. Friedrich Wilhelm I. verguckte sich in das Ensemble und kaufte es den Besitzern ab. Der König gönnte sich hier Auszeiten und malte gern. Sein Sohn Friedrich II. machte um den Bau aber einen Bogen. Fesselnd sind auch die von de Bruyn zusammengetragenen Episoden zur Heimatgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Bodenreform und Kollektivierung der Landwirtschaft listet er auf.

Zu DDR-Zeiten saß im Schloss die Zentralstelle für Reprofotografie. Nach der Wende setzten die Einwohner von Kossenblatt Hoffnung auf einen Berliner Unternehmer, der ein Mikrofilmcenter einrichtete. 2004 ging die Firma pleite. Seit 2009 gehört der Bau dem neuen Eigentümer, der Schloss Kosenblatt GmbH. dpa

Günter de Bruyn: Kossenblatt. Das vergessene Königsschloss, S. Fischer Verlag, 216 Seiten, 18,99 Euro

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