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»Ich hätte lieber …

Kathrin Gerlof über den Sieg des roten Broilers in Potsdam und den Hang zum Wiederaufbau von Schlössern

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… die weiße Taube von Picasso dahin gehängt als Euren Adler.« Das ist noch keine Satire, sondern ein sehr schönes Ansinnen, formuliert vom Architekten des Brandenburger Landtages. Der Landtag steht in Potsdam, sieht von außen aus wie ein Schloss und wartet innen mit Räumen in makellosem Weiß auf. Peter Kulka hat es geschafft, der schrecklichen Sehnsucht der Deutschen nach Wiederkehr absolutistischer Prunkbauten zumindest im Inneren die Moderne entgegenzusetzen. Was all jene ein wenig versöhnlich stimmen mag, die sich fragen, warum in diesem Land andauernd Schlösser wiederaufgebaut werden. Weil früher alles besser war, natürlich. (Immer noch keine Satire).

Aber jetzt: Weiß sollte nach des Architekten Vorstellung auch der Adler sein, der im Plenarsaal des Brandenburger Landtages über dem Präsidium an der Wand hängt. Sozusagen ein unbeschriebenes Wappen, das ein bisschen mit der Tradition klingelt, sie aber nicht hofiert. Einigen hat es gefallen, auf diesem Weg den fürchterlichen Volksmusikstadl »Steige hoch, du roter Adler« ein wenig loszuwerden (darunter auch ein paar Linke). »Heil dir mein Brandenburger Land«, so geht es aber auch nicht, dachten die anderen und das Präsidium des Brandenburger Landtages beschloss: »Im Sitzungssaal des Landtages Brandenburg wird anstelle des Kunstwerkes ›Weißer Adler‹ eine zu fertigende Nachbildung des in Artikel 4 der Verfassung des Landes Brandenburg bestimmten Landeswappens angebracht.« Ein Sieg des roten Broilers, das Morgen errötet und ergreift die Flucht. »Hie Brandenburg allwege - sei unser Losungswort! Dem Vaterland die Treue in alle Zeiten fort.« Parteiübergreifend haben sich Politikerinnen und Politiker (der Bürger und die Bürgerin haben gar eine Petition gegen den weißen Adler gestartet) gedacht: Ohne roten Adler sind wir heimatlos. Und was ist schon ein Architekt der Moderne gegen den gemütlichen Mief der Vergangenheit? Ein Schneckenschiss.

Es gab übrigens Jahre, da klang die Hymne auf den roten Adler und das Land so: »Brandenburg allwege sei unser Losungswort, dem Hakenkreuz die Treue und treu zu Schwarz-Weiß-Rot.«

Ach, waren das Zeiten! »Steige hoch, du roter Adler und schüttle dein Gewand. Die innern und die äußern Feinde vertreib aus unserm Land«.

Witzigerweise hat der rote Adler seine Vertreibungspolitik ausgerechnet im Gänsefüßchenland DDR nicht ausüben dürfen, weiß der Geier warum. Die einen sagen so, die anderen so, und die teure Tote SPD in Gestalt des Manfred Stolpe hat dieser adlerlosen Zeit dann auch ein Ende bereitet. »Mit dem Wunder der Wende und den ersten freien Wahlen kam auch das Land Brandenburg. Und da war uns allen klar, jetzt ist die Stunde des roten Adlers.«

Ja, die SPD ist zwar tot, aber Stolpe lebt und hat sich eingebracht zum Zwecke der Disziplinierung eines Architekten, der es gewagt hatte, dem roten Adler seine Farbe und damit dem Land Brandenburg seine Identität zu nehmen.

Leider hat der Architekt darauf verzichtet, gegen den Präsidiumsbeschluss zu klagen, weiß man seit vergangener Woche. In Potsdam hat die Moderne keine Chance, die Garnisonkirche hat es stattdessen einfach. Schließlich haben hier die Konservativen den Nazis den Bruderkuss gegeben.

»Bürger und Bauern vom märk’schen Geschlecht, hielten stets zur Heimat in Märk’scher Treue fest!« Büchsenschütz, der das Brandenburg-Adler-Lied geschrieben hat, freute sich einst darüber, dass es zum »Lied der nationalsozialistischen Erhebung« geworden sei und immer wieder um Kämpfer für das neue Deutschland geworben habe.

Landesvater Stolpe sagt es schöner: »Die Menschen sollen auch ein bisschen stolz sein auf das Land. Sie müssen sich nicht verstecken, nicht in der Kultur, der Wirtschaftskraft und dem Sport.«

Hinge bei solchem Reden ein weißer Adler im Plenarsaal, könnte er wenigstens erröten. Anstatt des Präsidiums sozusagen.

Kathrin Gerlof 
ist Schriftstellerin und 
Journalistin und lebt in Berlin.

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