Bloß kein Blick ins Innere

Silvia Ottow über die Ankündigung von Reformen im Krankenhaus

Begeistert waren die Abgesandten der über 2000 deutschen Krankenhäuser nicht gerade, als ihnen der christdemokratische Bundesgesundheitsminister in der vergangenen Woche auf ihrem Frühjahrsempfang mit der Botschaft die Laune verdarb, dass es zu viele Betten in ihren Häusern gebe, überflüssige Operationen stattfänden und mangelnder Behandlungsqualität nicht ausreichend zu Leibe gerückt werde. Vereinzelte Buhrufe ertönten.

Sicher, zahlreiche Kliniken leiden darunter, dass sich die Länder nicht an ihre Gesetzespflicht halten, für die Investitionen aufzukommen. Manches Haus bedient sich gar aus den Summen für die medizinische Behandlung, die von den Krankenkassen überwiesen werden. Allerdings ist auch nicht umstritten, dass zur Aufbesserung der Finanzen so manche Leistung angeboten wird, die Patienten eher schadet als nutzt. Doch alle Forderungen, die Qualität der Behandlung besser zu kontrollieren und Qualitätsberichte so zu verfassen, dass auch Patienten sie verstehen können, verhallten bisher im Nichts. Die Kliniken wollen sich um keinen Preis über die Mauer ins Innere schauen lassen. Allerdings tun das auch jene, von denen sie ständig kritisiert werden: Politiker aus Bund und Ländern kündigen seit Jahren große Krankenhausreformen an, aber es geschieht nichts. Nur die Verantwortung wird hin und her geschoben.

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