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Nicht mehr namenlos im Ehrenhain

Gedenkstätte im sächsischen Zeithain erinnert auf Stelen an sowjetische Kriegsgefangene

  • Von Hendrik Lasch, Zeithain
  • Lesedauer: 3 Min.

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In der Gedenkstätte Zeithain wird jetzt mit Namenstafeln an 12 750 sowjetische Kriegsgefangene erinnert, die dort im Lager starben. Das Projekt, das diese persönliche Ehrung ermöglichte, läuft bald aus.

Die Stelen sind übermannshoch, rostrot und stehen weiträumig verteilt im parkartigen Gelände des Ehrenhains Zeithain. Darauf zu lesen sind in langen Kolonnen die Namen sowie Geburts- und Sterbedaten von sowjetischen Kriegsgefangenen. Sie starben im Lager Stalag 304 (IV/H), das die NS-Behörden im Juli 1941 - drei Wochen nach dem Überfall auf die Sowjetunion - einrichteten und das heute vor 69 Jahren befreit wurde.

Innerhalb dieser knapp vier Jahre wurde das Lager Zeithain vor allem für zahllose in Gefangenschaft geratene Rotarmisten zum Sterbeort. Für die vermeintlichen »Untermenschen« aus dem Osten wurden selbst Mindestregeln für die Behandlung Gefangener außer Kraft gesetzt. Die Männer vegetierten auf dem schlammigen und baumlosen Areal unter erbärmlichen hygienischen Bedingungen und erhielten, obwohl sie zu harter Arbeit eingesetzt wurden, nur magere Essensrationen. Pro Tag starben bis zu 20. Insgesamt, schätzt man, überlebten rund 30 000 Gefangene das Stalag 304 nicht.

Wer genau die Toten waren, die in Massengräbern auf vier Friedhöfen verscharrt wurden, war indes bis auf Ausnahmefälle lange nicht bekannt. Die mit deutscher Gründlichkeit geführten Akten verschwanden 1945 in sowjetischen Archiven. In der UdSSR galten die Kriegsgefangenen, anders als Gefallene, als wenig heldenhaft.

Mehr Klarheit brachte erst ein Forschungsprojekt, das seit 2000 im Auftrag der Bundesregierung in der Stiftung Sächsische Gedenkstätten läuft. Mitarbeiter durchforsten dazu Akten in russischen Archiven und gleichen sie mit deutschen Unterlagen ab. Entstanden ist eine Datenbank mit rund 900 000 Namen sowjetischer Kriegsgefangener. Zwar ist damit noch immer nur ein Teil der fünf Millionen Rotarmisten bekannt, die das NS-Regime festsetzte und von denen bis zu 3,3 Millionen starben. Wenigstens die Hinterbliebenen wissen nun indes, wo ihre Angehörigen starben.

Zeithain jedoch ist die bislang einzige Gedenkstätte, in der die Namen der dort Verstorbenen nun auch für Besucher sichtbar angebracht wurden. Bemühungen gab es seit Jahren. Im Jahr 2011, 70 Jahre nach Kriegsbeginn, wurden zunächst Namen von 5000 Toten auf Fahnen kenntlich gemacht. Für eine wirklich dauerhafte Lösung fehlte das Geld. Anlässlich des bevorstehenden 70. Jahrestages des Kriegsendes hat der Freistaat Sachsen nun 1,1 Millionen Euro für die Instandsetzung von Kriegsgräbern bereitgestellt. Etwa 200 000 Euro davon werden in Zeithain verwendet. Heute werden dort im Rahmen einer Gedenkfeier zunächst Stelen eingeweiht, auf denen an 12 749 Tote erinnert wird. Tafeln mit weiteren 9571 Namen sollen bis 2015 folgen. Jens Nagel, der Leiter der Gedenkstätte, spricht von einem bisher »singulären Schritt zur Ehrung einer großen und oft vergessenen Opfergruppe«.

Nachahmer, so ist zu befürchten, wird das Zeithainer Beispiel vorerst nicht finden. Weil der Bund zu Ende 2014 den Geldhahn zudreht, läuft das sächsische Forschungsprojekt aus. Im Auswärtigen Amt gab man sich im August auf Anfrage der LINKEN zwar überzeugt, dass die Arbeit bis Ende des Jahres zum »erfolgreichen und sachgerechten Abschluss« gelange. Von 900 000 Datensätzen ist aber erst die Hälfte ausgewertet. Nagel erinnert derweil daran, dass viele in Zeithain erfasste Gefangene in Konzen-trationslager wie Dachau oder Buchenwald verlegt wurden und dort starben. Die namentliche Ehrung an den Orten wäre erstrebenswert. »Man hat die Namen«, sagt Nagel, »nun muss man etwas damit machen.«

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