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14 Kilo waren einfach zu viel

Schwimmstar Michael Phelps lüftet das Geheimnis über seine Rückkehr: Er hat Spaß im Becken und fand sich zu dick

  • Von Jörg Soldwisch
  • Lesedauer: 3 Min.
Über die genauen Gründe für Michael Phelps' Rückkehr wurde lange gerätselt, jetzt hat der Schwimm-Superstar das Geheimnis gelüftet: Es waren der Spaß und der Blick in den Spiegel.

Es ist noch gar nicht lange her, da hat Michael Phelps eine erschreckende Entdeckung an sich gemacht. »Ugh, habe gerade mein erstes graues Haar entdeckt«, twitterte der US-Amerikaner seinen Fans. Sein Comeback nach 628 Tagen Wettkampfpause ist für den Rekordolympiasieger aber auch kein Jungbrunnen - ganz im Gegenteil. In seiner Trainingsgruppe in Baltimore sei er »wirklich der Opa«, sagte der 28-Jährige. »Das ist der schlimmste Teil dabei: Ich bin ein alter Mann.«

Einen ersten kleinen Hinweis darauf, wie gut dieser »alte Mann« im Becken noch ist, wird das Meeting in Mesa, im US-Bundesstaat Arizona, bis zum kommenden Montag geben. Zum Auftakt testet der 18-malige Olympiasieger am Donnerstagabend (nach Redaktionsschluss) auf seiner Weltrekordstrecke 100 m Schmetterling seine Form, am Freitag auch über 50 m Freistil. Über die ursprünglich ebenfalls geplanten 100 m Freistil will er nun doch nicht antreten, gab er am einen tag vor der Veranstaltung bekannt.

Lange wurde gerätselt, warum sich die Ikone des Schwimmsports überhaupt für diese spektakuläre, aber auch riskante Rückkehr entschieden hat. Kurz vor seinen ersten Rennen lüftete Phelps nun das Geheimnis: Es waren die pure Lust am Schwimmen und ein paar Kilogramm zu viel auf den Rippen.

»Ich kann es wirklich nicht oft genug betonen: Ich habe Spaß dabei«, sagte der 26-malige Weltmeister: »Ich mache das, weil ich es will. Niemand drängt mich dazu.« Phelps gab aber auch zu, dass er ursprünglich wegen Figurproblemen wieder mit dem Training angefangen habe. »Wieder in Form zu kommen, war anfangs das Wichtigste für mich«, sagte der Amerikaner, der in der schwimmfreien Zeit ganze 14 Kilogramm zugenommen hatte. »Er war völlig außer Form«, verriet sein langjähriger Erfolgstrainer Bob Bowman: »Es brauchte eine Weile, bis wir an dem Punkt waren, dass er auch in der Öffentlichkeit trainieren konnte.«

Das tut Phelps nun wieder in der Trainingsgruppe in Baltimore, wo inzwischen auch der französische Doppelolympiasieger Yannick Agnel seine Bahnen zieht. »Ich bin glücklich, dass er hier bei uns ist«, sagte Agnel. Auch Weltrekordler Paul Biedermann findet die Rückkehr seines Freistilrivalen »einfach großartig«, doch in seine Vorfreude auf ein mögliches Duell mit dem Meister mischen sich auch leise Zweifel: »Ich hoffe, dass er mit dieser Entscheidung glücklich ist«, sagte der Ex-Weltmeister aus Halle/Saale.

Sorgen, sein Denkmal könne bei einem gescheiterten Comeback bröckeln, hat Phelps angeblich keine. Oder zumindest teilt er sie nicht in der Öffentlichkeit mit. »Ich tue das für mich. Wenn ich nicht so erfolgreich bin, wie ihr alle es erwartet«, sagte der Weltrekordler an die Journalisten gerichtet, »und wenn ihr denkt, dass das dann meine Karriere befleckt, dann ist das eure eigene Meinung.«

Einen Start bei den kommenden Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro ließ Phelps vorerst offen: »Ich freue mich darauf, wohin die Reise mich auch führt.« Es scheint aber klar, dass der Ausnahmesportler die US-Trials im August anpeilt, bei denen die Tickets für die Weltmeisterschaften 2015 in Kasan vergeben werden.

Phelps gewann bei Sommerspielen insgesamt 22 Medaillen, 18 davon waren aus Gold. 2008 in Peking waren »The Baltimore Bullet« sogar historische acht Olympiasiege gelungen. Nach den Spielen in London 2012 gab Phelps seinen Rücktritt vom Leistungssport bekannt. Er habe die tägliche Schinderei im Training satt und wolle fortan lieber golfen. Nach knapp zwei Jahren kommt er nun zurück.

»Michael hatte wohl gemerkt, dass er das Golf-Masters nie gewinnen wird. Und jetzt macht er eben wieder das, was er am besten kann«, sagt Bowman: »Er will und muss niemandem etwas beweisen. Es gibt keinen Druck von außen, er selbst will es so.« Der frühere Schwimmstar Aaron Peirsol bringt es noch klarer auf den Punkt: »Er ist Michael Phelps. Er schuldet niemandem eine Erklärung.« SID

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