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Die Baustelle am Kanal steht still

In Panama streiken Bauarbeiter und Lehrer

  • Von Andreas Knobloch
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine Woche vor den Parlamentswahlen am kommenden Sonntag in Panama sind nach den Bauarbeitern auch die Lehrer in einen unbefristeten Streik getreten. Sie fordern jährliche Zusatzzahlungen von 300 US-Dollar über die kommenden drei Jahre, was die Regierung jedoch ablehnt. Der Ausstand der Lehrer fällt zusammen mit einem Streik der Bauarbeitergewerkschaft Suntracs (Sindicato Único de Trabajadores de la Construcción y Similares), der die Arbeiten an der Erweiterung des Panama-Kanals sowie an zahlreichen anderen Projekten zum Erliegen gebracht hat.

Panamas Präsident Ricardo Martinelli hatte am vorigen Montag beklagt, dass der Arbeitskampf die Eröffnung eines Krankenhauses in der zentralen Provinz Veraguas verhindert habe. Auch waren die Arbeiten am Kanal gerade erst wieder aufgenommen worden - nach mehrwöchiger Unterbrechung wegen vertraglicher Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und dem mit dem Bau beauftragten internationalen Konsortium. Bereits jetzt hinkt der Bau 15 Monate hinter dem eigentlichen Zeitplan hinterher und soll nun im Dezember 2015 fertiggestellt sein.

Suntracs, die mehr als 70 000 Arbeiter vertritt, fordert mindestens 80 Prozent mehr Lohn über die kommenden vier Jahre; die Unternehmer bieten 21 Prozent. Was nach exorbitanten Ansprüchen klingt, relativiert sich durch die in Panama hohe Inflationsrate. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Zwar sind die Verhandlungen über die meisten Punkte der neuen Kollektivvereinbarung auf einem guten Weg; über 148 der 152 Punkte wurde Einigkeit erzielt, erklärte Suntracs-Generalsekretär Saúl Méndez. Eine Annäherung beider Seiten in der Lohnfrage scheint derzeit allerdings in weiter Ferne. Die Baubranche ist einer wichtigsten Wirtschaftsmotoren Panamas. Der Immobilienboom der letzten Jahre hat für volle Auftragsbücher und fette Gewinne gesorgt (337 Prozent in den vergangenen acht Jahren). Gleichzeitig aber blieben die Lohnzuwächse der Bauarbeiter mit 18 Prozent im gleichen Zeitraum noch deutlich unter dem allgemeinen Preisanstieg. Dass die Arbeitsniederlegung nun mit dem Wahlkampf zusammenfalle, sei aber »bloßer Zufall«, so Méndez.

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